Januar 2, 2012
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Gesundheit von Redaktion

Mit starken Hausärzten Milliarden sparen

Da Hausärzte ihre Patienten zumeist gut kennen und Experten für die Prävention von Fehlversorgung seien, sollte ihnen zukünftig eine noch stärkere Rolle zukommen, fordert der Chef des Rostocker Instituts für Allgemeinmedizin.

Rostock (dpa)  

Mit einer stärkeren Rolle des Hausarztes könnten nach Ansicht des Chefs des Rostocker Instituts für Allgemeinmedizin, Attila Altiner, Milliarden Euro gespart werden. „Der Hausarzt ist der Experte für die Prävention von Fehlversorgung. Er kann schauen, dass nicht Unnötiges oder gar Falsches mit den Patienten passiert“, sagte Altiner. Es sei die Zukunftsaufgabe der Hausärzte, gemeinsam mit den Patienten zu entscheiden, wie intensiv therapiert oder ob gar operiert wird.

Im Gesundheitssystem gebe es viele Phänomene der Fehlversorgung. Das schwerwiegendste sei, dass immer mehr Patienten zu früh zum Facharzt gehen. Dieser müsse gemäß seines Versorgungsauftrags als Spezialist fast zwangsläufig zur teuren Apparatemedizin greifen. Ein allseits bekanntes Beispiel sei die in Deutschland viel zu häufig angewandte Herzkatheterisierung. „Die vielen Facharztuntersuchungen sind ein typisches medizinkulturelles Phänomen“, sagte Altiner.

Hausärzte könnten aufgrund ihrer oft langjährigen Kenntnis der Patienten meist ohne großen Aufwand beurteilen, ob ein gefährlicher Krankheitsverlauf zu erwarten sei. Oder ob – wie in den meisten Fällen – nichts Schlimmes hinter dem ein oder anderen Symptom stecke.

„Genau in diesem Moment können wir die Menschen davor bewahren, in ein medizinisches System hineingesaugt zu werden, in dem ganz viel mit ihnen gemacht wird“, betonte Altiner. Der Hausarzt könnte seiner zentralen Koordinationsfunktion so gerechter werden.

Die oft immens teure Überversorgung führe beispielsweise dazu, dass gerade bei älteren Patienten mit mehreren Krankheiten zu viele Medikamente verschrieben würden. „Dabei macht jeder Arzt für sich das richtige“, sagte Altiner. Aber so bekämen die Patienten Arzneien verordnet, die nicht in ihre Lebenssituation passten. Die Folge sei, dass auch teuerste Arzneien nicht eingenommen werden. Zudem könne niemand sagen, welche Neben- und Wechselwirkungen bei der Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten entstehen. „Hier kann der Hausarzt als ordnende Kraft eingreifen – das kann kein anderer.“

Die Gesundheitspolitik neige dazu, Beratung, Betreuung oder Begleitung von Patienten geringer zu schätzen und damit finanziell geringer zu bewerten, zulasten der Hausärzte. „Eine mögliche Alternative wäre ein Einschreibesystem“, sagte Altiner. Dies würde bedeuten, dass sich jeder Patient seinen Hausarzt aussucht. Dieser erhält dafür von den Krankenkassen eine Pauschale – unabhängig davon, ob sein „Kunde“ in einem Quartal bei ihm war oder nicht. Die Grundvergütung bedeute, dass der Hausarzt kein Interesse daran haben müsse, einmal im Quartal seinen Patienten zu sehen und damit wieder Kosten zu verursachen.

Bereits seit 2009 müssen Krankenkassen laut Gesetz ihren Versicherten ein sogenanntes Hausarztmodell anbieten. Allerdings haben nur wenige Kassen entsprechende Vereinbarungen mit den Hausärzteverbänden geschlossen. Auch Fachärzte sehen diesen Ansatz kritisch.

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