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Nierenexperte: Mit mehr Vorsorge Dialyse verhindern

VonJoachim Mangler

Wer sich nicht genug bewegt oder zu viel Ungesundes isst, geht ein hohes Krankheits- risiko ein. Eine Erkenntnis, die niemanden mehr überraschen kann. Doch die ärztliche Praxis zeigt, dass zwischen Wissen und Tun ein langer Weg liegt.

Rostock.Mit einfacher Vorsorge können nach Ansicht des Rostocker Nierenexperten Steffen Mitzner viele schwere Nierenerkrankungen vermieden werden. „Bei etwa zwei Drittel der dialysepflichtigen Nierenerkrankungen können Übergewicht, Bluthochdruck oder Zuckererkrankungen als Ursache herangezogen werden“, sagte Mitzner. Mit Bewegung und gesünderer Ernährung könnten diese Krankheiten aber vermieden werden. „Die zweite Erkenntnis ist, dass diese Erkrankungen schon im frühen Stadium feststellbar sind.“ Dazu reiche es aus, sich ab und zu den Blutdruck zu messen und einmal im Jahr beim Hausarzt den Urin auf Eiweiße überprüfen zu lassen. Das sollte für jeden ohne Probleme möglich sein, so der Experte.

Land ist Spitzenreiter
bei Dialyse
In Mecklenburg-Vorpommern leben, bezogen auf die Bevölkerungszahl, die meisten Menschen, die wegen kranker Nieren zur Dialyse müssen. Im Jahr 2011 wurden einer Studie zufolge im Nordosten 2700 gesetzlich versicherte Dialysepatienten gezählt, knapp 1700 Patienten pro eine Million Einwohner. Im deutschen Durchschnitt sind es etwa 1000 pro eine Million Einwohner. Bei etwa einem Drittel der Dialysepatienten liegt laut Mitzner eine genetische Disposition vor. Für die hohe Zahl von Dialysepatienten im Nordosten gibt es laut Mitzner neben der Tatsache, dass viele Menschen sich falsch ernähren, vor allem demografische Gründe. „Viele junge Menschen wandern in andere Bundesländer ab, gleichzeitig kommen viele für den Lebensabend nach Mecklenburg-Vorpommern.“

Eigenverantwortung
ist Trumpf
Laut Mitzner gibt es gute Möglichkeiten zur Behandlung, wenn eine Nierenerkrankung früh erkannt wird. Bei einem großen Teil der Betroffenen ließe sich dann eine Dialyse ins hohe Alter verschieben oder sogar ganz vermeiden. „Die Patienten können nicht aus der Eigenverantwortung entlassen werden – das ist nicht schicksalhaft.“ Es sei schade, dass für manche diese Erkenntnis oft erst dann kommt, wenn die Nieren schon verloren sind und die Entscheidung über die Therapie nur noch bei Dialyse oder Transplantation liege.
Deutschland gehört nach Mitzners Worten zu den Ländern weltweit mit den besten Versorgungsmöglichkeiten für dialysepflichtige Patienten. Doch der Preis dafür ist hoch: Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen nach Angaben der TK mit Kosten von jährlich rund 26 000 Euro für die Blutwäsche bei einem Nierenpatienten. Dazu kämen noch die Kosten für die Medikamente.

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