Di. 10. Juli 2012
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Alte Kriegsmunition lagert überall in MV von Sophie Pawelke

Noch 200 Jahre bis zur letzten Bombe

Der Munitionsbergungsdienst MV hat alle Hände voll zu tun: Um die 450 Tonnen Munition und Sprengstoff werden jährlich geborgen. Noch immer sind einige Gebiete des Landes für Fußgänger gesperrt.

Noch auf Jahre haben Olaf Lindow und seine Kollegen vom Außentrupp Mirow des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern zu tun.
Noch auf Jahre haben Olaf Lindow und seine Kollegen vom Außentrupp Mirow des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern zu tun.
Foto: Udo Zander
Schwerin/Mirow (nk)  

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat  der Munitionsbergungsdienst (MBD) des Landes 205 Einsätze gehabt.  Bomben und  Granaten  aus dem Zweiten Weltkrieg  liegen  oft nur wenige Meter unter der Erdoberfläche.  Viel zu tun für den Bergungsdienst, der jährlich bei  bis zu 450 Einsätzen um die 140 Tonnen  des Sprengstoffes  Trinitrotoluol (TNT)  unscharf macht. Und ein Ende  sei nicht in Sicht. „Es könnte noch 200 Jahre dauern, bis die letzte Bombe geborgen wird – allein für die der Kategorie vier“, so MBD-Chef Robert Mollitor.  Damit  sind die besonders gefährlichen Bomben gemeint.  

Schwerpunktgebiete sind die vielen Waldstückchen des Landes. „Insgesamt gab es in  MV damals  16 Munitionsanstalten“, so Mollitor. Erst  vor kurzem haben er und seine Männer  29 Tonnen Munition aus einem zwei  Hektar großen Waldstück in  Wokuhl bei Neustrelitz sichergestellt. Und im Osten des Landes sind noch immer zahlreiche Waldfläche verseucht und für Fußgänger gesperrt, wie in Torgelow oder Mirow. „Hier gab es damals große Übungsplätze“, erklärt Mollitor.

TNT auch nach 60 Jahren noch explosiv

Derzeit  begleitet der MBD die Bauarbeiten der A 14 bei Schwerin, die auf einer so genannten belasteten Fläche entsteht. Bis zu vier Meter tief können die Bomben liegen. Die im Zweiten Weltkrieg bombardierten Städte wie Rostock, Schwerin und Wismar seien hingegen fast sauber. Große Funde werden dort immer seltener.  
Dennoch: Der Bergungsdienst  muss sich beeilen, denn TNT bleibt auch nach mehr als 60 Jahren stabil. Besonders gefährlich seien die Bomben, die mit einem Langzeitzünder ausgestattet sind.  „Hier besteht die Gefahr, dass durch äußere Einflüsse wie Erschütterungen  alles in die Luft gehen kann“, sagt Mollitor.   Im Durchschnitt passiere das einmal im Jahr.

Um die 30 Mitarbeiter hat der MBD  in MV derzeit.  2004 waren es noch 61. Alarmiert wird der  Dienst in der Regel von der Polizei. Die Beräumung großer Flächen  wird seit 1995 überwiegend  durch private Firmen übernommen, die sich auf Kampfmittel  spezialisiert haben. Überwacht und kontrolliert  werden die  Einsätze von Mollitor  und seinen Kollegen, wie auch  die Vernichtung der Sprengstoffe.

Einsätze und Spreng-Stellen sind streng geheim

Wenn ein  Abtransport in eines der Lager nicht möglich ist, werden die Bomben noch vor Ort kontrolliert gesprengt. Deswegen würden viele Einsätze und Schwerpunktstellen  vertraulich behandelt. Schließlich wisse man nie, was einige Menschen mit den Informationen    über betroffene Bereiche anfangen.

 Mehr als 200 Einsätze im 1. Halbjahr:  „Und es gibt keine Anzeichen, dass es weniger wird“, versichert Mollitor. Die Chancen, dass ein Spaziergänger im Wald  einen Blindgänger findet,   würden auch noch in  mehreren Jahren gut stehen.

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