Nordkurier.de

Nur acht Minuten für 850 Millionen

Reisende können von Juni an wieder mit Zügen nach Berlin und nicht mehr mit Bussen fahren. Von Rostock nach Neustrelitz und umgekehrt geht es schon bald wieder voran.
Reisende können von Juni an wieder mit Zügen nach Berlin und nicht mehr mit Bussen fahren. Von Rostock nach Neustrelitz und umgekehrt geht es schon bald wieder voran.

Christian Teske hat es den Saisonstart verhagelt. „Zwei Drittel der sonst üblichen Passagiere sind seit Jahresanfang weggeblieben“, bemängelt der Projektleiter der Potsdamer Eisenbahngesellschaft. Das Unternehmen betreibt seit wenigen Monaten im Auftrag des Kreises Seenplatte die Bahnstrecke Neustrelitz-Mirow – nachdem sich das Land zurückgezogen hatte.

Fünf mal täglich fährt ein „Ferkeltaxi“ die Route hin und zurück. Doch das Ruhe suchende Publikum aus Berlin bleibe aus, erklärt Teske. Wegen der Vollsperrung der Bahnstrecke Rostock-Berlin steige kaum ein Tourist in Neustrelitz in den roten Triebwagen. Normalerweise kommen ab Ostern die Ausflügler, doch Teske braucht Geduld. Die Bahn hat die Freigabe der Strecke wegen Bauverzögerungen auf den 9. Juni verschoben.

An 9. Juni wird festgehalten

Fundmunition, eine Anwohnerklage und schwierige Bodenverhältnisse: Diese Gründe nennt Evelyn Kupke, Projektverantwortliche bei der Deutschen Bahn, als Gründe für den Verzug. „Wir sind uns aber sicher, dass wir den 9. Juni halten können“, verspricht sie auf einem Forum der IHK Neubrandenburg. Dann sollen neben dem Warnemünde-Express auch wieder Regionalzüge durchgehend auf der knapp 200 Kilometer langen Strecke rollen können. Damit wäre der zeitraubende Schienenersatzverkehr per Bus ab Neustrelitz Geschichte.

Die gesamte Route von der Ostsee bis in die Hauptstadt könne bis Dezember aber nur eingleisig befahren werden, schränkt sie ein. Auf der 850-Millionen Euro-Baustelle würden Restarbeiten erledigt. Die 90 Kilometer pro Stunde, die zum Schutz der Bauarbeiter teils nur gefahren werden dürfen, schlagen sich im Fahrplan wieder: Die Züge seien fünf Minuten länger als vor der Sperre unterwegs, so Verkehrsplaner Renado Kropp von der Deutschen Bahn.

Doch selbst wenn ab Juni 2014 auf der gesamten Strecke die Züge mit 160 Kilometer pro Stunde fahren dürfen: Der Zeitvorteil für die gesamte Strecke nach Berlin liege nur bei acht Minuten, ab Neustrelitz bei fünf Minuten, so Kropp. „Mehr ist nicht drin“, stellt er fest. Grund dafür seien die Stopps auf den Knotenbahnhöfen Güstrow, Waren und Neustrelitz. Dort müsse der Regionalexpress auf Zubringer warten.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×