
| Armut |
von Redaktion
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Obdachlose müssen in Mecklenburg-Vorpommern nicht auf der Straße schlafen. Die Kommunen stellen überall ausreichend Schlafplätze bereit, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Selbst bei dem strengen Frost in diesen Tagen stoßen die Heime nicht an ihre Grenzen, überall können noch Betroffene aufgenommen werden.
So bietet die Wohnungslosenunterkunft in der Landeshauptstadt Schwerin, die in einer ehemaligen Kindertagesstätte untergebracht ist, 40 Plätze. „Davon sind aktuell 30 belegt“, sagte Stadtsprecherin Michaela Christen. In diesen Tagen strömten nicht mehr Wohnungslose als sonst in die Unterkunft.
Männer, die auch bei Minus zehn Grad nicht in eine Unterkunft gehen
Hintergrund sei, dass es Obdachlose, die bei gutem Wetter aus mehr oder weniger freien Stücken im Freien schlafen, in Schwerin nicht gebe. Die Betroffenen seien meist Menschen, die keinen Vermieter mehr finden und dann in der Wohnungslosenunterkunft leben. In Rostock gibt es sie nach Auskunft des Vereins Obdachlosenhilfe aber doch, die Männer, die selbst bei zehn Grad minus nicht in eine Unterkunft gehen wollen.
Derzeit sind es drei in der Hansestadt, berichtete Streetworker Reinhard Bilkowski. „Wir sind täglich mit dem Wohnmobil unterwegs, bringen warmes Essen, heißen Tee, Schlafsäcke.“ Einen dieser Männer kenne er schon seit zehn Jahren. Die Hansestadt bietet in ihrem Nachtasyl 30 Plätze, weitere 240 in einem Heim für betreutes Wohnen.
Viele schlüpfen bei Bekannten unter
Auch Neubrandenburg hat in seinem Obdachlosenhaus, wo Menschen ohne eigene Wohnung längerfristig unterkommen können, noch Plätze frei: Von den 50 Betten sind aktuell 35 belegt, wie Stadtsprecherin Kathleen Bötel sagte. In einer Notunterkunft gibt es zusätzlich 16 Plätze, neun davon werden derzeit genutzt. „Nebenan gibt es eine Tagesstätte, dort können die Wohnungslosen am Tag bleiben und müssen bei dieser klirrenden Kälte nicht raus. In der Tagesstätte bekommen sie auch zu essen“, sagte Bötel.
In Rostock, Stralsund, Greifswald und Anklam haben die Einrichtungen ebenfalls noch ausreichend Schlafplätze. „Wir haben zwei Räume, in denen wir bei Bedarf sogar Armeebetten aufbauen können“, sagte Andreas Hoth, Leiter der vom DRK betriebenen Einrichtung in Stralsund. Dort sind inzwischen 35 der 36 Plätze belegt, 34 Obdachlose lebten aber schon längere Zeit in der Unterkunft. Die Nachfrage an Schlafplätzen sei in den vergangenen Tagen nicht gestiegen. „Die Solidarität unter den Betroffenen ist groß. Viele schlüpfen dann bei Bekannten unter, die noch eine Wohnung haben.“
„Niemand muss die Nacht draußen verbringen“
In Greifswald sind 24 von 25 Plätzen, in Anklam acht von 14 Plätzen in den Obdachunterkünften belegt. Diese werden von der Volkssolidarität betrieben. Notbetten stünden bei Bedarf auch hier zur Verfügung. „Niemand muss die Nacht draußen verbringen“, sagte Simone Kagemann vom Kreisverband in Anklam. Trotz der klirrend kalten Nächte sei die Nachfrage in der vergangenen Woche nicht gestiegen.
Wegen der größeren Anonymität würden Betroffene inzwischen eher in Großstädte ausweichen. Einige Obdachlose kommen auch nur stundenweise in die Einrichtung, um sich aufzuwärmen, zu duschen oder eine warme Suppe zu sich zu nehmen, wie Andreas Hoth aus Stralsund berichtete. Dankbar sei die Einrichtung jetzt über Kleiderspenden. Warme Socken, Handschuhe oder Winterschuhe seien stark gefragt.
In Mecklenburg-Vorpommern sind in strengen Wintern immer wieder Menschen erfroren, jedoch kaum Obdachlose. Im Dezember 2008 fand ein Spaziergänger in Wismar einen toten Obdachlosen im Schnee. Im Februar 2010 erfror ein Mann an Bahngleisen bei Rostock. Er war gestürzt und offenbar nicht wieder auf die Beine gekommen. Im Februar 2005 erfror ein 18-Jähriger nach einem Diskobesuch auf Usedom. Er war vermutlich im Freien eingeschlafen.
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