Sa. 28. Juli 2012
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Brandursache noch unklar von Rainer Marten

Rechter Treffpunkt geht in Flammen auf

Rund zwei Wochen vor dem geplanten Pressefest des NPD-Blattes „Deutsche Stimme“ in Pasewalk/ Gehege brannte am Freitag gegen 4 Uhr ein für Veranstaltungen umgebauter Stall. Die Polizei schließt eine politisch motivierte Tat nicht aus.

Die Feuerwehr im Einsatz
Die Kameraden der Feuerwehr bei den Löscharbeiten.
Foto: Michael Dummer
Pasewalk / Viereck (rm)  

„So eine Sauerei. Man müsste die alle erschießen…“ Ein Mittzwanziger, schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, stürzt aufgeregt über den Hof Gehege 3 bei Viereck. Doch bevor er bis in das Stallgebäude dringen kann, wird er von der Polizei ausgebremst. „Das ist ein Tatort. Verlassen Sie den Hof bis hinter die Einzäunung.“ Der Ton ist energisch. Der Platzverweis deutlich: Die Nerven liegen blank – auch bei der Polizei.

Die Polizei sichert den Tatort, bis der Brandermittler eintrifft

Der „Tatort“ ist kein gewöhnlicher. Gehege 3, zwischen Pasewalk und Viereck gelegen, gilt seit 2009 als Anlaufpunkt der Rechten. Am 11. August will dort das NPD-Organ „Deutsche Stimme“ feiern. Die Polizei sichert den Tatort, bis der Brandermittler eintrifft.

Unterdessen rücken die Feuerwehren ab. Gegen 4.02 Uhr waren die Kameraden aus dem Bett getrommelt worden. Vierecks Wehr war zuerst vor Ort. Es folgen die Pasewalker Kameraden, Borken, Torgelow, Krugsdorf. „54 Kräfte waren vor Ort: Kameraden der Feuerwehren, Rettungskräfte, die Polizei“, bilanziert Pasewalks Wehrführer Michael Helpap.

Ein Problem: Das Stalldach trägt eine Photovoltaik-Anlage

Während die Brandstätte gut erreichbar war, stellte sich die Löschwasserbereitstellung schwieriger dar. Der Mühlgraben 50 Meter weiter führt kaum Wasser; besorgt wurde Löschwasser schließlich aus dem Brunnen eines Stalles auf der anderen Straßenseite. Ein weiteres Problem: Das Stalldach trägt eine Photovoltaik-Anlage. „Die musste erst vom Netz“, sagte Helpap.

Opfer der Flammen wurden vor allem der Westgiebel und ein abgeteilter Raum des Gebäudes. Dort stürzte der Dachstuhl ein. Gegen 8.45 Uhr rückten die Wehren wieder ab.

Kurze Zeit später, der Qualm ist kaum verzogen, widmet sich der Neubrandenburger Brandsachverständiger Olaf Lawrenz der Brandstätte. Lawrenz arbeitete seit 1973 bei der Feuerwehr. Seine Herangehensweise: Objektbesichtigung, Suche der Brandausbruchstelle. Im Ausschlussverfahren werden schließlich die Zündmöglichkeiten gegeneinander abgewogen. Seine Untersuchungsergebnisse liegen am Nachmittag noch nicht vor.

4000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter

Im Netz der Rechten kursieren dagegen eine Menge Aussagen: Hetze habe die Brandstiftung verursacht. Die Rechten schreiben 4000 Euro Belohnung für gerichtsverwertbare Hinweise auf den Täter aus. Am Pressefest soll festgehalten werden, da die Halle ohnehin für öffentliche Veranstaltungen nicht genutzt werden darf.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zeigte sich besorgt über die mögliche Brandstiftung in Pasewalk-Gehege: Sollte sich der politische Hintergrund bestätigen, könne die Straftat „den friedlichen Protest einer ganzen Region gegen das geplante Fest einer rechtsextremen Zeitung gefährden“, teilte er mit.

Das falsche Signal

Der Verdacht hat sich noch nicht bestätigt. Aber er steht im Raum: Brandstiftung! Egal, welche politische Ausrichtung die Betroffenen vertreten: Brandstiftungen sind kein Mittel, um Auseinandersetzungen zu führen! Diese Region hatte längst einen viel wirkungsvolleren Weg eingeschlagen. Sie findet sich gerade in einer bemerkenswerten Weise zusammen, um den Rechtsextremen friedlich und mit demokratischen Mitteln entgegen zu treten. Diese Gemeinschaft ist stark genug, um die Auseinandersetzung mit den Rechten inhaltlich zu führen. Im Feuer aber gehen auch die besten Argumente nur in Rauch auf!

Ein Kommentar von Rainer Marten
Treffpunkt der Rechten bei Viereck brennt ab
Ein Feuer hat Teile einer von Rechtsextremen genutzten Veranstaltungshalle zwischen Viereck und Pasewalk vernichtet.
Die Feuerwehr im Einsatz bei Viereck
Die Feuerwehr im Einsatz bei Viereck
Foto: Michael Dummer
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