
| Konflikte |
von Redaktion
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Der Ortskern der Stadt Lübtheen gerät immer weiter in die Hände von Rechtsextremisten. Seit Herbst 2006 betreibt die NPD in einem Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße ihr Bürgerbüro. Vormals hatte dort Udo Pastörs, Fraktionschef der NPD im Schweriner Landtag, ein Schmuck- und Uhrengeschäft betrieben. Jetzt gehört ein weiteres Haus, gleich um die Ecke, Marianne Pastörs, die für die NPD in der Stadtvertretung sitzt. Gerüchten zufolge soll in dem Gebäude das Parteiarchiv sowie ein Büro für den Kreisvorsitzenden Andreas Theißen eingerichtet werden.
Gleich nebenan hat der Schwiegersohn von Udo Pastörs, ein selbstständiger Softwareentwickler, 2011 ein weiteres Haus am Ernst-Thälmann-Platz erworben. Neben einem Frisörgeschäft sollen dort Wohnungen geschaffen werden, heißt es in der Lindenstadt.
Umtriebige Clique von Pastörs
Auch in dem angrenzenden ehemaligen Hotel „Stadt Hamburg“ am Thälmann-Platz wurden bereits NPD-Anhänger bei Renovierungsarbeiten beobachtet. Vor Ort gilt es bereits als sicher, dass auch dieses Gebäude demnächst in die Hände der umtriebigen Clique um Pastörs gerät.
Mit Sprüchen wie „Fahr nicht fort, kauf’ im Ort“ hatten sich Udo Pastörs und seine NPD-Mannschaft bereits vor rund zehn Jahren kommunal zu verankern gesucht. Schon mit der Sanierung des Backsteingebäudes mit großen Schaufenstern, konnte der ehemalige Zeitsoldat und Edelsteinhändler Sympathien gewinnen. „Da haben mich die Leute nicht in Schlips und Kragen gesehen, sondern auf dem Gerüst, schwer arbeitend. Das ist ein Einstieg. Dann haben wir weitergearbeitet. Politisch“, zitieren ihn die Autoren des Wissenschaftswerkes „Rechtsextremismus in Ostdeutschland“. Auch das Volkshaus unweit des Thälmann-Platzes gegenüber der Kirche wurde von einem Schlossbesitzer, der auf der Spenderliste der rechtsextremen NPD zu finden ist, gekauft.
Lübtheen ist kein Einzelfall
Bürgermeisterin Ute Lindenau sieht die Entwicklung mit Sorge. „Gegen diese Immobilienkäufe hat man kaum eine Möglichkeit“, sagte sie. Nur bei historisch wertvollen Gebäuden könnte die Stadt einschreiten.
Lübtheen ist kein Einzelfall. Auch in anderen Landesteilen laufen die Immobiliengeschäfte. In Anklam wurde in der Stadtmitte ein Szeneladen als Kommunikationszentrum und ökonomisches Standbein ausgebaut. Nicht weit davon entfernt befindet sich in einem ehemaligen Möbelhaus ein Schulungszentrum. Außerdem bauen die Rechtsextremen eine alte Bäckerei um. Im sechs Kilometer entfernten Salchow entstand ein „nationales Wohnprojekt“.
NPD-Unterorganisation sitzt in Stadtvertretung
Die Strategie zeigt Wirkung. Immerhin erzielte Marianne Pastörs bei den Landratswahlen am 4. September vergangenen Jahres aus dem Stand rund sechs Prozent der Stimmen, obwohl sie keinen direkten Wahlkampf geführt zu haben schien. Gemeinsam mit dem vorbestraften Andreas Theißen sitzt die stellvertretende Chefin der regionalen Sektion der NPD-Unterorganisation „Ring Nationaler Frauen“ auch in der Stadtvertretung. Dort allerdings sollen sich die beiden weniger durch inhaltliche Beiträge als durch populistische Inszenierungen bei Fragestunden hervortun. Hauptfeindin ist meistens die gegen Rechts sehr engagierte Bürgermeisterin Ute Lindenau.
Mit „populären“ Themen versuchen die Neonazis, Zuspruch zu ernten, bestätigen die Wissenschaftler Hubertus Buchstein und Gudrun Heinrich in ihrer Studie „Rechtsextremismus in Ostdeutschland“. Das Motto lautet: „Regional ist erste Wahl“.
Bezüglich der neuen Häuserkäufe geben sich einige Lübtheener empört. Einer sagt: „Wenn das so weitergeht, dann können wir den Thälmann-Platz bald in Adolf Hitler-Platz umbenennen.“
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