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Rekord: Schotte hütet 3500 Tiere

Der Schotte David Paterson hält zwei erst wenige Stunden alte Lämmer. Der Betrieb hält 3500 Schafe ganzjährig im Freien und bewirtschaftet die Weiden im Warnowtal.
Der Schotte David Paterson hält zwei erst wenige Stunden alte Lämmer. Der Betrieb hält 3500 Schafe ganzjährig im Freien und bewirtschaftet die Weiden im Warnowtal.

Lässt sich mit Schafen heute in Deutschland noch Geld verdienen? Landwirt Christian Diederichs nickt: „Ja, das geht.“ Aber er schränkt sofort ein: „Bei Draußenhaltung. Stallhaltung rechnet sich nicht mehr.“ Die Landwirtschaftsgesellschaft seines Vaters in Groß Raden (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat das zu spüren bekommen, fast wäre es schief gegangen.

Gut 1500 Mutterschafe standen in den Ställen aus DDR-Zeiten. Doch Stallhaltung ist teuer, zum Füttern und Ausmisten wird viel Personal gebraucht. Vor drei Jahren schauten sich die Landwirte in der Welt um, wie sie es anders machen könnten und schrieben die Stelle des Schäfers aus.

Seit zwei Jahren ist der Schotte David Paterson bei ihnen Betriebsleiter. Mit 3500 Tieren – 2700 Mutter- und 800 Jungschafen – ist Groß Raden Diederichs zufolge die größte Schäferei in Mecklenburg- Vorpommern. Der 59-Jährige Schotte brachte jede Menge Wissen mit, neue robuste Rassen, die mit den traditionellen Schwarzköpfigen Fleischschafen gekreuzt werden, und drei Border Collies als Hütehunde. Seine Frau May, die gut Deutsch spricht, arbeitet während der Lammzeit im Betrieb mit.

Agressive Raben und Krähen sind ein Problem

Doch in Groß Raden lernte der erfahrene Schäfer ein Problem kennen, das es in Schottland so nicht gibt, wie er sagt: Krähen und Kolkraben. Mehrere hundert Lämmer verlor der Betrieb schon an die schwarzen Vögel, die über den Weiden kreisen und bei einer Geburt sofort zur Stelle sind. Ihnen geht es um die Nachgeburt, aber sie hacken neugeborenen Lämmern auch die Augen aus, reißen Zungen und Schwänze ab, berichtet Diederichs. „Vor allem bei Zwillingsgeburten, wenn die Mutter noch mit dem zweiten Lamm beschäftigt ist.“

Sind die Jungtiere nur ein wenig älter, greifen die Vögel kaum noch an. In diesem Jahr bleiben daher die Muttertiere, die Zwillinge und Drillinge erwarten, im Stall. Die Schäfer haben alle Mutterschafe per Ultraschall untersucht und wissen, dass bis Mitte Mai rund 3600 Lämmer zur Welt kommen. Sobald die Kleinen sicher auf den Beinen sind, gehen sie auf die Weide.

Der Betrieb mit 1100 Hektar hat karges Ackerland in Weiden umgewandelt, die besseren Äcker werden von einem benachbarten Betrieb in Lohnarbeit mit bestellt. Die Diederichs konzentrieren sich ganz auf die Schafhaltung. Ab Ende August werden die Lämmer verkauft, sie wiegen dann 40 bis 45 Kilo. Einige werden schon früher von holländischen Betrieben zur Weitermast genommen, die meisten aber gehen an einen Großhändler. Pro Kilo Lebendgewicht gibt es derzeit 2,40 Euro, ein auskömmlicher Preis, wie Diederich meint. Zumal auch die Wolle wieder etwas mehr bringt.

Hohe Futterkosten für Lämmer

Die Lämmer im Frühjahr zur Welt kommen zu lassen, ist dem Zuchtleiter des Landesschafzuchtverbandes, Sven Grumbach, zufolge ein Schritt zurück zur Natur. Der Nachteil sei, dass Lammfleisch im Herbst billiger ist. Schäfer, die die Tiere im Stall halten, könnten im Herbst geborene Lämmer als Osterlämmer teurer verkaufen. Dem stünden die hohen Futterkosten bei Stallhaltung gegenüber. Grumbach zufolge gibt es kein allgemeingültiges Rezept für die Schafhaltung.

Jede Rasse stelle ihre eigenen Bedingungen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Schafhaltung sieht er in Zukunft eher schwinden. Der Bestand an Mutterschafen hat sich in Mecklenburg-Vorpommern von 104000 im Jahr 1990 auf jetzt 48500 mehr als halbiert.

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