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Rentnerin abgezockt: Freiheitsstrafe für Anwältin

VonAndreas Segeth

Die bekannte Anwältin, Krimi-Autorin und Ex-Kajakweltmeisterin Kathrin Kolloch ist wegen Untreue in besonders schwerem Fall verurteilt worden.

Neubrandenburg.Jochen Unterlöhner, Vorsitzender Richter der Strafkammer am Neubrandenburger Landgericht, fand scharfe Worte: Die Anwältin Kathrin Kolloch habe in eklatanter und eigennütziger Weise gegen fundamentale Pflichten eines Betreuers verstoßen. Sie habe über einen längeren Zeitraum mit „doppelgleisiger krimineller Energie“ einerseits eine Rentnerin um ihre kompletten Lebensersparnisse gebracht und andererseits ihr Verhalten gegenüber dem Amtsgericht zu vertuschen gesucht. Der für seine Akribie bekannte Unterlöhner hat sich sein Urteil nicht leicht gemacht. An sieben Verhandlungstagen hatte er gemeinsam mit zwei Schöffen mehr als zehn Zeugen gehört und noch einmal das komplette Verfahren aufgerollt.
2012 war Kolloch bereits in erster Instanz vom Amtsgericht wegen Untreue verurteilt worden – allerdings „nur“ zu einer Geldstrafe in Höhe von rund 22000 Euro. Sowohl Kolloch als auch Staatsanwalt Andreas Lins gingen in Berufung: Sie beharrte auf Freispruch, ihr Widerpart wollte ein höheres Strafmaß. Lins setzte sich durch. Das Schöffengericht folgte seiner Forderung und verurteilte Kolloch wegen Untreue in besonders schwerem Fall zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss sie eine Geldbuße in Höhe von 10000 Euro an drei Vereine zahlen. Während Kolloch im ersten Verfahren noch die Presse beschimpfte, äußerte sie sich während des Berufungsverfahrens nicht.
Im März 2006 war Kolloch vom hiesigen Amtsgericht zur Berufsbetreuerin der damals 82-jährigen, demenzkranken Edith J. bestellt worden. Nur einen Monat später hob die Anwältin 40000 Euro in bar vom Konto der Rentnerin ab und übergab das Geld ihrem Mann, so Unterlöhner. Später titulierte Kolloch diese Übergabe als Darlehen über zehn Jahre. Der Ehemann zahlte das Geld am selben Tag auf ein Konto seiner Finanzfirma ein. Dem Amtsgericht hatte Kolloch zu diesem Zeitpunkt vorgespiegelt, dass sich die 40000 Euro „mündelsicher“ in einer Geldanlage bei der Sparkasse befänden. Binnen weniger Tage waren die Lebensersparnisse von Edith J. auf rund 2000Euro geschrumpft.
Edith J. hat das Urteil nicht mehr erlebt. Sie ist Anfang 2013 im Alter von 89 Jahren verstorben.

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