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Spaziergänge unter Bäumen gibt es bald auf Rezept

Gesunde Waldluft: Mecklenburg-Vorpommern will seine Natur stärker für die Gesundheitswirtschaft nutzen.
Gesunde Waldluft: Mecklenburg-Vorpommern will seine Natur stärker für die Gesundheitswirtschaft nutzen.

Die Therapie beginnt an diesem Morgen im Wald. Gleich nach dem Frühstück hat sich die kleine Gruppe am Eingang der Reha-Klinik zur Wanderung durch den benachbarten Forst getroffen. Es sind Patienten mit Erkrankungen der Atemwege, Hautallergien und Burn-out, die sich unter Anleitung einer Klimatherapeutin auf den Weg machen. Unterwegs gibt es Pausen mit Dehn- und Atemübungen und eine Messung der Hauttemperatur.

Ein kleines Stück waten die Teilnehmer wie einst Sebastian Kneipp beim Wassertreten durch einen kleinen Bachlauf. Schließlich erreichen sie eine sonnendurchflutete Waldlichtung mit einer drehbaren und teilweise überdachten Holzplattform. In Decken gehüllt ruhen sich die Kurgäste auf bereitgestellten Liegen aus und genießen das Rauschen der Blätter, das Zwitschern der Vögel und die frische Luft.

In zwei Jahren könnte es die ersten Kur- und Heilwälder geben

Noch sind derartige Therapie-Trips eine Zukunftsvision. Doch schon in zwei Jahren, so sehen es Pläne des Bäderverbandes vor, könnten Mecklenburg-Vorpommerns Kurgäste in Deutschlands ersten Kur- und Heilwäldern entspannen. Mit der Neufassung des Landeswaldgesetzes 2011 sei der Heilwald im Nordosten bereits in den Gesetzestext aufgenommen worden, sagt Bernhard von Finckenstein von der Landesforstanstalt. Das gestatte es, bestimmte Waldareale speziell für Kur-Zwecke auszuweisen und zum Beispiel den Holzeinschlag oder das Mountainbiken in den Rückzugsräumen stark einzuschränken.

Erste Überlegungen zur Nutzung des Waldes als Therapeutikum liegen auf dem Tisch. Demnach sollen in Mecklenburg-Vorpommern fünf Waldgebiete in unmittelbarer Nachbarschaft zu Rehabilitationszentren als Kandidaten für Kur- und Heilwälder überprüft werden. Die Pläne werden ab morgen auf dem 19. Bädertag im Seeheilbad Heiligendamm vorgestellt. Favorisiert werden Wälder bei Graal-Müritz, Sassnitz, Waren, Bad Doberan sowie um die Usedomer Kaiserbäder.

Auch Heilkräuter aus dem Wald besser nutzen

Vergleichbare Vorbilder gebe es bislang erst in Japan, Frankreich und Österreich, sagt Marianne Düsterhöft, Geschäftsführerin des Bäderverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Unisono sei aber die gesundheitsfördernde Wirkung von Wäldern schon längst anerkannt. „Unsere Wälder an der Ostsee, aber auch im seenreichen Binnenland, dürften sich besonders eignen“, unterstreicht Düsterhöft. Nun müssten Spezialisten die Kriterien für Heilwälder herausarbeiten und die dafür vorgesehen Kandidaten daraufhin abchecken. Die Kur- und Heilwälder sollten mehr sein als bereits bestehende naturbelassene Kurparks, sagt Professor Horst Klinkmann, Chef der  Gesundheitswirtschaft. Alle Heilpotenziale müssten klar analysiert werden, zu denen auch die bislang nur sehr begrenzte Nutzung von Heilkräutern aus dem Wald gehörten.

Möglichst noch in diesem Jahr sollen Gutachten erstellt werden, auf deren Grundlage dann die Entscheidung fällt, welche Wald-Kandidaten zertifiziert werden sollen. Daraufhin könnten die jeweiligen Gemeinden Konzepte und Investitionspläne erstellen. Vermutlich müssten Wege angelegt oder behindertengerecht ausgebaut und bestimmte Gehölze nachgepflanzt werden, sagt Düsterhöft. Denkbar seien auch Investitionen in Liegewiesen, Sport- und Fitnessgeräte oder sogar Solequellen.

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