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Strafzölle in China? Firmen der Region bleiben gelassen

Imposant: Mit diesem Propeller aus Waren wird ein Containerschiff angetrieben.
Imposant: Mit diesem Propeller aus Waren wird ein Containerschiff angetrieben.

„Ein Handelskrieg der EU mit China könnte uns schon treffen“, ahnt Manfred Urban. Trotzdem bleibt der Geschäftsführer der Mecklenburger Metallguss in Waren gelassen. Er gehe nicht davon aus, dass Schiffspropeller von der Müritz mit einem Strafzoll belegt werden. „Das steht nicht zur Debatte“, meint er.

Urban weiß, dass zwischen der Europäischen Union und China Wortgefechte ausgetragen werden. Brüssel hat angedroht, auf Solarmodule aus China Sondergebühren zu erheben, weil Peking seine heimischen Hersteller durch Zuschüsse zu stark unterstütze. Die Wirtschaftsmacht aus dem Fernen Osten wiederum schwört Rache für diesen Fall und will im Gegenzug auch europäische Produkte anderer Branchen mit Strafzöllen belasten.

Propellerwerk kennt Probleme schon

Chinesische Werften seien inzwischen die Hauptabnehmer für Warener Schiffspropeller, erläutert Geschäftsführer Urban. „Wir müssen schon lange damit leben, dass die chinesische Regierung versucht, eigene Hersteller steuerlich zu bevorzugen“, berichtet er. Auch sei es schwieriger geworden, für eigene Monteure Visa für China zu erhalten. „Wir sind auf jeden Fall an vernünftigen wirtschaftlichen Beziehungen zu China interessiert“, stellt der Chef von 220 Beschäftigten klar.

In Prenzlau geht Geschäftsführer Thomas Strotkötter davon aus, dass es bei starken Worten zwischen Europa und China bleiben wird. Mit rund 100 Mitarbeitern stellt die GEA AWP GmbH in der Uckermark Armaturen für industrielle Kälteanlagen her. Mit den Ventilen und Reglern würden Hersteller in der ganzen Welt, darunter auch in China beliefert. „Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam. Ich glaube nicht, dass es wegen eines einzelnen Industriezweigs zur großen Auseinandersetzung kommt“, hofft er. Aus Sicht der Wirtschaft sei es am besten, wenn es so wenig Handelsbeschränkungen wie möglich gebe, fasst Strotkötter zusammen.

Webasto entspannt: China ist kein Markt

Überhaupt nicht betroffen von einem Handelsstreit wäre das Neubrandenburger Unternehmen SMW, lässt Geschäftsführer Eckhard Gellrich ausrichten. Der Spezialmaschinen- und Werkzeugbauer fertigt für Abnehmer in Europa, Amerika, Australien oder Asien unter anderem Komponenten für Schienenfahrzeuge.

Ohne Aufregung beobachtet auch der Autozulieferer Webasto den verbalen Schlagabtausch der EU mit China. „Wir bleiben mit Blick auf unser Produkt gelassen“, sagt eine Sprecherin. Zum einen sei China kein Markt für die in Neubrandenburg von 700 Mitarbeitern gefertigten Standheizungen, weil diese zusätzlichen Wärmequellen dort noch unüblich seien. Zum anderen produziere Webasto direkt in China Cabrio-Dächer, die dort in die Fahrzeuge namhafter Hersteller montiert würden.

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