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Straßenamen gegen Bares: Schlecker bleibt beliebt

Schlecker in Upahl
Schlecker in Upahl

Erst schweigt der Mecklenburger. Dann sagt er gar nichts mehr. Das gilt ganz besonders für unangenehme Dinge – wie das Ding mit der Anton-Schlecker-Straße. Wer in Upahl bei Wismar direkt an der Autobahn 20 nach ihr fragt, stößt auf wenig Auskunftsfreudigkeit. Während in anderen Orten in ganz Deutschland eifrig darüber diskutiert wird, nach der Pleite der Drogeriekette und den damit verbundenen Massenentlassungen der Mitarbeiterinnen, die Anton-Schlecker-Straßen umzubenennen, scheint das in Upahl kein Thema zu sein. Ob an der Tankstelle, auf der Straße oder im Landmaschinen-Geschäft um die Ecke, kaum jemand will sich öffentlich äußern. „Das kostet nur unnötig Geld“, knurrt der Landmaschinen-Verkäufer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Alle Anlieger müssten dann ihre Adressen ändern.

Gleiches Angebot für neuen Investor

Um die Ecke liegt das ehemalige Logistiklager Schleckers, das zu seinen Glanzzeiten über 200 Mitarbeiter beschäftigte, zum Schluss noch über 100. Und dort wartet Bürgermeister Eckkehard Schneider (parteilos), der allerdings freundlich Auskunft gibt: Die Upahler haben’s für Geld gemacht. Vielleicht ist das der Grund für die Verschwiegenheit der Bürger – über Geld spricht man nicht. „10 000 Mark hat Schlecker uns bei der Ansiedlung geboten, wenn wir die anliegende Straße nach dem Firmengründer nennen. Das haben wir dann in die Kita gesteckt“, sagt Schneider. Der Bürgermeister lässt durchblicken: Wenn ein neuer Investor käme und unterbreite ein ähnliches Angebot, dann könne man über eine Umbenennung nachdenken. „Vorher aber wollen wir das Thema ruhen lassen.“ Nur am Rande der Gemeindevertretung sei darüber gesprochen worden. Und unter den Bürgern gäbe es keinerlei Initiativen wie in anderen Kommunen.

In Upahl ist man wenig nachtragend

Auch trage man in Upahl Schlecker nur wenig nach: „Bei uns ist es besser gelaufen als andernorts. Die Mitarbeiter hier haben zumindest noch eine Abfindung erhalten und sind so schlecht auch nicht bezahlt worden – zehn Euro in der Stunde.“ Da ginge es anderen mit fünf, sechs Euro viel schlechter.

Im 45 Hektar großen Gewerbegebiet gäbe es mit über 1000 mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Doch die Stellen locken offenbar nicht besonders – viele Upahler pendelten in den nahen Westen. So ist der Segen der Gemeinde zugleich ihr Fluch – ihre günstige Lage an der Autobahn und die Nähe zu Lübeck und Hamburg etwa. Zehn Hektar sind übrigens gegenwärtig noch frei. Anfragen hat der Bürgermeister dummerweise aber momentan nur nach größeren Flächen von 15 Hektar aufwärts an.

Eine der größten Ansiedlungen der vergangenen Jahre war die des Milchproduzenten Hansano. In regelmäßigen Abständen brummen dicke Laster über die Anton-Schlecker-Straße zur Niederlassung. Davor steht Hans Diele und wartet auf seinen Kumpel, der drinnen gerade einen Anstellungsvertrag aushandelt. Hans Diele kommt nicht aus Upahl, sondern aus Marburg. Vielleicht ist er deshalb gesprächiger: „Eigentlich kann der Name beibehalten werden. Es ist doch eine große Firma gewesen und vielleicht kommt Schlecker sogar wieder. Man kann ja nie wissen.“ Immerhin ist das große Logistikgebäude noch intakt und auch der Firmenschriftzug gut erkennbar.
 

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