Nordkurier.de

Streit um Hiddensee

Weiß gekalkte Häuser auf sattgrünen Wiesen ohne Zäune: Der denkmalgeschützte Ort Neuendorf auf der Ostseeinsel Hiddensee ist für Urlauber ein beliebtes Fotomotiv. Teilweise in vierter Generation wohnen die Hiddenseer in ihren eigenen reetgedeckten Häusern. Doch die Grundstücke, die unmittelbar an die Immobilien grenzen, gehören nicht ihnen.

Seit Jahren liegen die Hiddenseer deshalb mit Stralsund im Streit, der am Montag vor dem Landgericht in eine neue Runde ging. Grund sind die kuriosen Eigentumsverhältnisse: Mitte des 19. Jahrhunderts verkauften die Mönche des Stralsunder Klosters des Heiligen Geistes die Grundstücke unter den Fundamenten an die Einheimischen. Die unmittelbar an die Häuser grenzenden Grundstücke blieben weiter im Besitz des Klosters und gehören heute je zur Hälfte der Stadt Stralsund und der Gemeinde Hiddensee. Seit 2009 sehen sich die Neuendorfer mit Pachtforderungen aus Stralsund konfrontiert, die sie nach eigenen Angaben überfordern.

Das Wort „Wucher“ macht die Runde, weil Stralsund die Pachtgebühren für die unmittelbar an die Häuser angrenzenden Grundstücke teilweise um das 15-Fache nach oben trieb. 79 Verfahren sind inzwischen vor dem Amtsgericht Bergen und dem Landgericht Stralsund anhängig.

„Stralsund hat sich in den vergangenen Jahren schick gemacht und wir sollen jetzt dafür Stralsunds Stadtkasse füllen“, sagte Karsten Siebler, einer der betroffenen Insulaner. Er hat entnervt aufgegeben und wird rückwirkend für vier Jahre die hohen Pachtgebühren zahlen. „Es hat keinen Zweck. Die Gerichtskosten laufen aus dem Ruder. Irgendwann kann man nicht mehr.“ Bei den Hiddenseern liegen die Nerven blank. Die Hausbesitzer treibt die Angst um. Zwischen 700 bis zu 3000 Euro sollen sie ab 2009 als jährliche Pacht entrichten. Für viele Familien bedeutet das den Ruin. Stralsund – eine Kommune mit klammem Haushalt und deshalb auf die Erschließung von Geldquellen angewiesen – bleibt hart.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×