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Verschluss-Sachen einmal nicht geheim

Die neuesten Sammlerstücke präsentiert Reingard Berger in ihrem privaten Knopfmuseum in Wismar.  FOTO: Jens Büttner
Die neuesten Sammlerstücke präsentiert Reingard Berger in ihrem privaten Knopfmuseum in Wismar. FOTO: Jens Büttner

VonGrit Büttner

Knöpfe sind die Augen der Kleidung, meint eine Mecklenburgerin. In ihrem Museum in Wismar hat die Hobbyschneiderin eine halbe Million davon gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht.

Wismar.Ob groß oder klein, aus edlem Perlmutt oder billigem Bein – Knöpfe sind ihre Leidenschaft. Die 58-jährige studierte Verkehrsfachfrau Reingard Berger hat in ihrem Museum in Wismar seit 16 Jahren rund eine halbe Million Verschluss-Stücke zusammengetragen. In Kisten, Zigarrenschachteln, Schüben und Dosen könne der Besucher kramen, sagt die Unternehmerin. Erst jüngst habe ihr eine alte Dame aus Schleswig-Holstein gut 8000 historische Knöpfe geschenkt. Immer wieder brächten Gäste Hemd- und Hosenteile mit, so dass die Knopf-Kisten im Museum bald aus allen Nähten platzten, erzählt sie.
Mehrere hundert Besucher zähle das kleine Museum im Jahr. Nicht nur Senioren kämen, sondern auch Familien und neuerdings sogar junge Mädchen auf der Suche nach kreativem Schmuck. Heutzutage friste der Knopf doch eher ein Schattendasein, meint die Sammlerin. Ihm gebühre viel mehr Aufmerksamkeit. „Knöpfe sind die Augen unserer Kleidung“, sagt die Hobbyschneiderin. Selbst entwerfe und nähe sie Decken und Schals, textile Kunstobjekte und Accessoires. Knöpfe veränderten Textilien, ließen sie sportlich oder festlich aussehen. „Früher waren Knöpfe Luxus und Statussymbol“, weiß die Museumsgründerin. Edle Verschlüsse wurden ab dem 13. Jahrhundert, der ersten Blütezeit des Knopfes in Europa, immer wieder recycelt. Ihr ältestes Museumsstück sei ein aus Blei und Arsen gegossener, rund 600 Jahre alter Knopf.
Doch heute schneide niemand mehr die Knöpfe von einer abgetragenen Jacke ab, um sie auf ein neues Kleidungsstück zu applizieren oder gar aufzuheben, moniert Berger. In ihrem Museum würde sie aber auch moderne Plastik-Knöpfe aufbewahren, denen an billiger textiler Massen-Ware oft nur ein kurzes Leben vergönnt war. „Die Schlichtheit dieser Schließen spiegelt den saloppen Umgang mit Kleidung und deren Schnelllebigkeit wider.“ Moderne Outfits ähnelten Arbeitsklamotten, kaputte Hosen seien schick, Verzierungen rar, Trachten und Galakostüme kaum mehr zu finden. Doch die kaum beachteten Kunststoff-Knöpfe heutiger „Wegwerfkleidung“ seien künftige Antiquitäten, meint Berger.

Textiles Zubehör wird nur selten gesammelt
Laut dem Deutschen Museumsbund Berlin beschäftigen sich in der Bundesrepublik nur wenige Einrichtungen mit textilem Zubehör. Einige Sammler würden gelegentlich Gästen einen Blick auf ihre Schätze gestatten, hieß es. Die größte öffentliche „Knopf-Kiste“ sei im früheren Zentrum der deutschen Knopfindustrie in der Oberpfalz zu finden. Das Deutsche Knopfmuseum Bärnau (Bayern) zählt eigenen Angaben zufolge mehrere Millionen Verschlüsse.
Im historischen Handwerkerviertel der Hansestadt Wismar hat Reingard Berger Knöpfe aus diversen Epochen und unterschiedlichsten Materialien zusammengetragen. Horn von Kuh, Ziege, Hirsch, dazu Steinnuss, Perlmutt und Knochen, Holz, Bambus, Glas, Kristall, Blei, Silber und Kupfer, Emaille, Zelluloid, Kunststoff und Bernstein, das „Gold der Ostsee“, finden sich in dem privaten Museum in Form von Knöpfen. Dazu gibt es Wissenswertes rund die „schönste Verschluss-Sache der Welt“, etwa warum Frauen mit rechts und Männer mit links knöpfen oder Knöpfe früher sogar anerkanntes Zahlungsmittel waren.

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