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von Dajana Richter
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Die Stasi nannte sie Sportverräter und widmete ihnen den sogenannten Zentralen Operativen Vorgang (ZOV). Mit diesem umfassenden Überwachungssystem sollte Republikfluchten entgegengewirkt werden. Bereits geflohene Sportler wurden auch noch im Westen ausspioniert. Denn die Hoffnungsträger des Systems wurden aus Sicht der DDR-Führung zu seinen „Verrätern“.
Das Zentrum Deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg hat unter der wissenschaftlichen Leitung von René Wiese und Jutta Braun die Geschichte dieser Sportler aufgearbeitet und anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus als Ausstellung konzipiert. Präsentiert wird sie von dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes des ehemaligen DDR (BStU).
"Als stehe man vor einem lebendigen Menschen"
Ab dem 17. April 2012 ist die Ausstellung im Saal „Alte Gießerei“ in der webasto AG in Neubrandenburg zu sehen. Nach dem Auftakt der Ausstellung im Berliner Willi-Brandt-Haus, ist die Viertorestadt erst der zweite Ort, an dem diese Schau zu sehen ist. Und wahrscheinlich bleibt es auch der einzige Ort in Mecklenburg-Vorpommern.
Stellvertretend für hunderte Schicksale erzählen in der Ausstellung 15 Sportler per Video ihre ganz persönliche Geschichte. In Szene gesetzt wurden sie von der mexikanischen Künstlerin Laura Soria. „Es ist ein ganz besonderes Konzept“, schwärmt Holm-Henning Freier, Außenstellenleiter der BStU Neubrandenburg. „Durch die Größe der Aufnahmen hat man das Gefühl, als stehe man vor einem lebendigen Menschen, der einen direkt ansieht und zu einem spricht.“ Ein Video ist zwischen sechs und 13 Minuten lang. „Die Besucher sollen sich selbst eine Meinung bilden“, betont Michael Schäbitz von der Ausstellungsagentur exhibeo. „Es ist uns wichtig, nicht belehrend oder von oben herab zu erzählen.“
Spitzensportler wurden zu DDR-Zeiten als privilegiert betrachtet, viele waren es auch. „Ziel der Ausstellung soll es deshalb sein zu zeigen, welche Motive diese Leue hatten, die DDR zu verlassen und damit ihrer Heimat den Rücken zu kehren“, so Schäbitz.
Eine politische Sportausstellung für eine Sportstadt
Dass die Ausstellung nach Neubrandenburg kommt, ist vor allem der BStU-Außenstelle und ihrem Leiter Holm-Henning Freier zu verdanken. „Neubrandenburg ist für die Ausstellung der perfekte Ort, da wir uns rühmen eine Sportstadt zu sein – damals wie heute. Wir haben unglaublich viele Sportvereine und sogar eine Sportschule. Deshalb ist die Ausstellung hier sehr gut aufgehoben“, so Freier. „Wir möchten zum einen den jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit der DDR auseinanderzusetzen. Und dafür ist Sport ein guter Einstieg. Durch die bekannten Namen der Spitzenathleten wollen wir aber auch bei Älteren eine Neugier wecken, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.“
Vom 17. bis 29. April ist die Ausstellung täglich von 10 bis 18 Uhr in der „Alten Gießerei“, webasto AG, Speicherstraße 3, zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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