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Wenn der Schulleiter nur noch leidet statt leitet

VonAndreas Frost

Schulleiter erhalten Zeit für ihre vielfältigen Aufgaben - bislang ist der Umfang aber schlecht geschätzt. Es reichte hinten und vorne nicht. Der Bildungsminister will jetzt genauer hinschauen.

Schwerin.Das Schweriner Bildungsministerium will endlich herausfinden, wie viel Zeit es kostet, eine Schule in Mecklenburg-Vorpommern zu leiten. Derzeit bekommen die Schulen pauschal eine gewisse Anzahl von Stunden bezahlt, in denen die Schulen verwaltet werden sollen. Allerdings, so räumte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) nun ein, welche Aufgaben im Einzelnen die Schulleiterinnen und ihre engsten Mitarbeiter bewältigen müssen, und wie viel Zeit dafür notwendig ist, müsse konkretisiert werden. Dabei soll die Schulleitungsvereinigung des Landes helfen, so Brodkorb in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag.
Deren bildungspolitische Sprecherin Ulrike Berger hat indes den Eindruck, „dass der Bildungsminister angesichts der Fülle von Verordnungen und Aufgaben die Übersicht über die tatsächlich zu leistende Arbeit der Direktorinnen und Direktoren verloren hat“. Schließlich hatte Brodkorb auf die genaue Frage nach den Verordnungen und Richtlinien, die die Aufgaben der Schulleitungen regeln, lediglich auf eine „Vielzahl untergesetzlicher Regelungen“ verwiesen. Hinzu kämen Aufgaben, die sich aus dem Schulalltag ergeben. Der zeitliche Aufwand dafür werde derzeit „statistisch nicht erfasst“.

Chefposten wenig
attraktiv und unbesetzt
Laut Berger waren vor wenigen Monaten 82 Schulleiterposten in Mecklenburg-Vorpommern nicht besetzt. In vielen Fällen fehlten offenbar auch wegen der hohen Arbeitsbelastung seit Jahren Bewerber, so die Grünen-Politikerin. „Wer wieder genug Interessenten für Schulleitungsstellen gewinnen möchte, sollte zumindest die damit verbundene Arbeitsbelastung kennen,“ sagte Berger.
Derzeit bekommen nach einer Verwaltungsvorschrift zum Beispiel Grundschulen mit 200 Schülern rund 19 Stunden pro Woche für die Leitung der Schule angerechnet. In dieser Zeit müssen die Schulleiterin, ihre Vertreterin und sonstige Kollegen mit Sonderfunktionen nicht unterrichten. Das Schulleitungsteam einer Regionalschule mit 400 Schülern bekommt mindestens 29 solcher Stunden. Generell hängt die Zahl der Leitungsstunden von der Zahl der Schüler und der Schulart ab.
Die schulpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, die ehemalige Schulleiterin Simone Oldenburg, hält das Stundenbudget für zu klein. „Schulleiter stehen immer mit einem Bein im Klassenraum und mit dem anderen schon wieder im Sekretariat, weil die Zeit nicht reicht.“ Gerade die Einführung der so genannten Selbstständigen Schule habe die Direktoren mit einem Berg zusätzlicher Arbeit eingedeckt.
Das habe das Bildungsministerium in den vergangenen Jahren berücksichtigt, so Brodkorb in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage von Ulrike Berger. Allerdings habe das neue Schulsystem nur „temporär“ mehr Arbeit gemacht. Außerdem seien alle Schulleitungen dafür extra fortgebildet worden.
Auf die vielen unbesetzten Schulleitungsstellen hat der Minister inzwischen reagiert. Die Hürden, um Schulleiter in Mecklenburg-Vorpommern werden zu können, wurden gesenkt. Außerdem konnten, so Brodkorb, vor wenigen Monaten, nur 17 und nicht 82 Stellen über einen längeren Zeitraum nicht besetzt werden, weil sich keine Bewerber gemeldet hatten. Für 15 Schulen wollte das Ministerium den Job des Schulleiters nicht neu ausschreiben, weil nicht sicher war, dass es sie noch lange gibt. Die Lage könne ihn „nicht zufrieden stellen“, sie sei „weniger dramatisch als von einigen angenommen“.

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