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Wenn im Sozialamt die Fäuste fliegen

„Gerade auf den Sozialämtern fliegen schon öfter mal die Fäuste“, sagt Jochen Penke von ver.di Nord, der Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst. Und der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim, ergänzt: „Immer dann, wenn wir Hausbesuche machen, beispielsweise im Jugendbereich oder bei Vollstreckungen, kann es gefährlich werden.“

Dennoch sehen weder Gewerkschafter noch der Verwaltungsbeamte nun die Notwendigkeit, die Ämter nachzurüsten und zu Hochsicherheitstrakten auszubauen. Schließlich seien die Verwaltungen für die Bürger da. „Wir werden keine Metalldetektoren oder dergleichen einführen“, stellt Froitzheim klar. Unabhängig von der Mordattacke auf den Hameler Landrat überlege der Kreis Vorpommern-Greifswald aber, über das Computersystem Alarmtasten in den Büros anzuschaffen, so dass bei eskalierenden Situationen Hilfe aus den Nachbarbüros gerufen werden kann.

Bei Einzelbüros sollte Alarmtaste Standard sein

Das hält auch Penke für sinnvoll, wenngleich sich der Gewerkschafter wundert, dass eine solche Taste noch nicht Standard ist: „Besonders in Einzelbüros, wo niemand mitbekommt, was da gerade abläuft.“ Eine eigens nach den Hamelner Schüssen eingerichtete Sicherheitsarbeitsgruppe, wie sie beispielsweise der Landkreis Nordwestmecklenburg plant, steht aber in Vorpommern-Greifswald nicht auf der Tagesordnung. In Nordwestmecklenburg habe die Landrätin selbst die Arbeitsgruppe initiiert, so eine Sprecherin. „Gerade nach Hameln wollen wir sehen, wie die Sicherheit von Landrätin und Mitarbeitern verbessert werden kann.“

Wie Vorpommern-Greifswald plant aber auch der Nachbarkreis Mecklenburgische Seenplatte dergleichen nicht: Landrat Heiko Kärger (CDU) „sieht keine Notwendigkeit“, lässt Sprecherin Annett Thurm wissen. Das Landratsamt sei schon gut gewappnet – jeder Mitarbeiter besitze eine Chipkarte, mit der allein man selbstständig durch das Drehkreuz gelange, alle Besucher müssten sich beim Pförtner melden.

Darüber hinaus gebe es regelmäßig Schulungen für Mitarbeiter. Dort werde ihnen beispielsweise beigebracht, wie man in einer angespannten Situation deeskalierend wirken könne. „Aber ein Allheilmittel gibt es nicht“, findet Achim Froitzheim. Gefährliche Situationen könnten immer wieder entstehen. Dass der Täter in Hameln den Landrat direkt in dessen Büro erschoss, habe auch keine Auswirkungen auf Termine bei Landrätin Barbara Syrbe (Linke) in Greifswald. Die könnten nach wie vor nach telefonischer Anmeldung vereinbart werden. Meist sei das allerdings nur bei komplexen Problemen der Fall. „Wenn die Angelegenheit auf dem kurzen Dienstweg bei einem Fachamt geklärt werden kann, wählen wir diese Möglichkeit.“

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