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Werften: Falsche Helfer bei missglückter Rettung?

Die P+S Werften.
Die P+S Werften.

Die Landesregierung und die Banken haben sich angeblich 2010 die falschen Helfer ausgesucht, als sie die schlingernden Werften in Stralsund und Wolgast retten wollten.

Das jedenfalls behauptete Montag der Berater der Bremer Hegemann-Gruppe Stephan Kulenkampff im Werften-Ausschuss des Landtags. Um den Einfluss des Unternehmers Detlef Hegemann auf die Werften auszuschließen, schalteten Banken und Landesregierung eine so genannte Treuhandgesellschaft als vorläufige Besitzerin der Werften ein. Diese Rechtsanwaltskanzlei habe einerseits einen zweifelhaften Ruf an der norddeutschen Küste gehabt, den sie sich als Insolvenzverwalter des Bremer Vulkans erworben habe. Andererseits sei ein Treuhänder „nur ein Verwalter“, so Kulenkampff. Den Kunden und den Zulieferern der Werften habe „der Unternehmer als Gegenüber“ gefehlt. Nur auf Druck des Landes und der Banken, die 2010 noch einmal 326 Millionen Euro an Finanz-Hilfen zusicherten, habe der Seniorchef der Hegemann-Gruppe der ausgewählten Treuhandgesellschaft zugestimmt.

Ging die Regierung ein zu hohes Risiko ein?

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) soll klären, ob die Landesregierung ein zu hohes Risiko einging, als sie für die dann in P+S-Werften umbenannten Unternehmen wiederholt finanzielle Hilfe leistete. Die Werften meldeten im Sommer 2012 endgültig Insolvenz an. Das Land muss möglicherweise für Verluste in Höhe von bis zu 270 Millionen Euro gerade stehen. Kulenkampff sagte, Alternativen zur Treuhand-Lösungen seien nicht geprüft worden.

Der damals für das Thema Werften mitverantwortliche Referatsleiter des Finanzministeriums, Maximilian Wauschkuhn, berichtete vor dem Ausschuss, auch für die Landesregierung sei die Treuhand-Lösung zweite Wahl und ein „Unternehmer, der uns Sicherheiten bietet“ lieber gewesen. Das sahen weder die Landesregierung noch die Banken bei Hegemann für gegeben. Widersprüchlich blieben die Zeugenaussagen, ob es eher die Banken oder die Landesregierung war, die den Treuhändern aufs Auge drückten.

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