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Zank um Solardächer auf Denkmalen

Die vor der Wende teilweise eingestürzte Backsteinkirche in Zernin bei Bützow wurde 2002 mit Hilfe des Solardach- Programms neu eingedeckt und damit gerettet.
Die vor der Wende teilweise eingestürzte Backsteinkirche in Zernin bei Bützow wurde 2002 mit Hilfe des Solardach- Programms neu eingedeckt und damit gerettet.

Solardächer bringen den Schweriner Grünen-Abgeordneten Johann-Georg Jaeger auf die Palme. Vielmehr der Mangel an solchen, wie der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion sagt. Zum Gelingen der Energiewende müssten in Mecklenburg-Vorpommern viel mehr Solarmodule auch auf landeseigenen Immobilien installiert werden. Allein es fehle der politische Wille dazu, kritisiert Jaeger. Auch die Denkmalpflege hat oft Bedenken.

Bislang halte die Landesregierung nur 60 000 Quadratmeter Dachflächen ihrer Gebäude für geeignet, um darauf Solaranlagen für fünf Millionen Kilowattstunden Strom zu errichten. „Das sind 200 mal 300 Meter, eine größere Halle“, moniert der Grünen-Sprecher. Ein Grund für fehlende Solardächer sei die Blockade der Denkmalpflege, meint Jaeger. Beispiel wäre der 2011 gescheiterte Aufbau einer Photovoltaikanlage auf einem Neubaudach im Innenhof des Schweriner Energieministeriums.

Etwa drei von vier geeigneten Dächern in Deutschland bislang ungenutzt

Mit Chancen einer solarökologischen Sanierung von Altbauten haben sich am Montag im Solarzentrum Wietow (Nordwestmecklenburg) rund 50 Firmenvertreter auf einer Fachtagung beschäftigt. Deutschland wolle bis 2050 seine Kohlendioxid-Emissionen um 80 Prozent mindern, sagte Veranstalterin Brigitte Schmidt. Da führe kein Weg am Gebäudebestand vorbei. Photovoltaikanlagen sollten weniger auf Ackerflächen, sondern mehr auf Häusern errichtet werden. Oftmals aber gebe es Probleme mit der Denkmalpflege, meinte sie.

Der Bundesverband Solarwirtschaft schätzt, dass in Deutschland drei von vier geeigneten Dächern bislang ungenutzt sind. Sonnenstromkraftwerke auf bestehenden Gebäuden seien prinzipiell kein Problem, sagt Landeskonservator Klaus Winands. „Solange keine Denkmale betroffen sind, spricht nichts dagegen“, betont der oberste Denkmalschützer Mecklenburg-Vorpommerns. In Städten aber, die Weltkulturerbestatus hätten oder diesen anstrebten wie Wismar, Stralsund oder Schwerin, würden die glänzenden Solarmodule das Erscheinungsbild negativ verändern, erklärt Winands.

„Spiegelungen und die veränderte Materialität der Dächer, also technische Zugaben, stören die Architektursprache und damit die Ansicht der Denkmale“, meint Winands. In Einzelfällen wiederum, etwa auf Dorfkirchen oder Gutshäusern, könnten Solaranlagen durchaus als finanzielle Einnahmequelle für den Erhalt des Denkmals erlaubt werden, schränkt der Landeskonservator ein. Auf dem Lande sei die „Sichtbarkeit aus der Entfernung“ weniger gegeben als in Städten.

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