Washington
(AFP)
Nach erbitterten Verhandlungen bis zur letzten Minute haben die US-Parlamentarier einen Kompromiss im Haushaltsstreit angenommen und damit den drohenden Sturz von der "Fiskalklippe" vorerst verhindert. Das Repräsentantenhaus stimmte dem Text in der Nacht mit den Stimmen der Demokraten und eines Teils der Republikaner zu. Damit fehlt nur noch die Unterschrift von Präsident Barack Obama, sie gilt als sicher.Der zuvor bereits vom Senat verabschiedete Kompromiss sieht Steuererhöhungen für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 450.000 Dollar vor. Automatische Steuererhöhungen für fast alle US-Bürger werden verhindert und drohende Ausgabenkürzungen nach dem Rasenmäherprinzip für zwei Monate aufgeschoben. Der Kompromiss klammert wichtige Fragen jedoch aus. Nach wie vor müssen sich beide Parteien dringend darüber verständigen, wie das riesige US-Haushaltsdefizit eingedämmt werden soll. Zudem muss die Schuldenobergrenze angehoben werden, um eine Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung zu verhindern.Dem Kompromissvorschlag stimmten 257 Abgeordnete des Repräsentantenhauses zu, 167 Parlamentarier votierten dagegen. Republikanervertreter hatten bei den Verhandlungen am Dienstag zunächst Änderungen an dem Text gefordert und die Aufnahme weitreichender Ausgabenkürzungen verlangt. Sie konnten sich damit jedoch in der eigenen Fraktion nicht durchsetzen. Schließlich kam der Text in unveränderter Fassung zur Abstimmung, da die Republikanerführung offenbar fürchtete, im Falle eines Scheiterns von den Wählern für die Folgen verantwortlich gemacht zu werden.Obama hatte die Steuern ursprünglich bereits ab einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar erhöhen wollen. Seine Ankündigung, zugunsten eines Kompromisses eine Anhebung dieser Grenze zu akzeptieren, hatte Teile seiner Partei verärgert. Wenige Minuten nach der Einigung im Repräsentantenhaus sagte Obama, mit den Steuererhöhungen für Reiche sei sein Wahlversprechen erfüllt, das US-Steuersystem gerechter zu machen.Am Montag war die gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze von 16,39 Billionen Dollar erreicht worden. Wenn diese vom Kongress nicht erhöht wird, kann der Staat keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Obama warnte, sollte der Kongress die Grenze nicht erhöhen, drohten der Weltwirtschaft "katastrophale" Folgen, die "viel schlimmer" wären als die der "Fiskalklippe".Die drohende "Fiskalklippe" hatte in Washington zu hektischen Verhandlungen zwischen Weihnachten und Neujahr geführt. Der Senat hatte erstmals seit 40 Jahren in der Silvesternacht getagt, die Mitglieder des Repräsentantenhauses hatten den Neujahrstag über beraten. Präsident Obama hatte angesichts der Lage seinen Weihnachtsurlaub auf Hawaii abgebrochen und war in die Hauptstadt zurückgekehrt. Nach dem Votum in der Nacht zum Mittwoch wollte er direkt nach Hawaii zurückflilegen, um die Ferien mit seiner Familie fortzusetzen.Die Vermeidung der "Fiskalklippe" hat nur aufschiebende Wirkung. Der demokratische Abgeordnete Jim Moran warnte am Dienstag, der jetzt getroffene Kompromiss schaffe lediglich "drei neue Fiskalklippen": "Wir werden noch auf diese Nacht zurückblicken und es wird uns leidtun."
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