Berlin
(AFP)
Nach dem Rückzug Oskar Lafontaines hat der Vorsitzende der Linksfraktion im thüringischen Landtag, Bodo Ramelow, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch ebenfalls einen Verzicht auf die Kandidatur für den Parteivorsitz nahegelegt. "Ich habe Dietmar Bartsch immer den Rücken frei gehalten", sagte Ramelow der "Berliner Zeitung". "Aber wenn es einen besseren gemeinsamen Weg gibt, dann möchte ich darüber nicht öffentlich zu Gericht sitzen. Alle müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen."Im Machtkampf um die Parteiführung hatte Lafontaine am Dienstag seine Bereitschaft für eine Kandidatur zurückgezogen. Der 68-Jährige hatte an eine Kandidatur Bedingungen geknüpft. So lehnte er eine Kampfabstimmung gegen Bartsch um den Parteivorsitz ab. Der Streit zwischen Bartsch und Lafontaine hatte die Gräben zwischen den Flügeln der Partei vertieft. Bartsch vertritt den realpolitischen Flügel, Lafontaine gehört zu den Parteilinken, die einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei an der Seite der SPD skeptisch gegenüberstehen.Ramelow plädierte für "einen Dritten Weg", bei dem "weder Sieger noch Besiegte" zurück bleiben dürften. Dabei könne es "auch einen Dritten Weg jenseits von Bartsch geben". Denkbar sei eine weibliche Doppelspitze, bei der sich "die Frage stellt, ob ein versierter Bundesgeschäftsführer mit dem Profil eines Dietmar Bartsch dabei gewollt ist.Die neue Linken-Führung soll auf dem Parteitag in Göttingen am 2. und 3. Juni gewählt werden. Nach Lafontaines Verzicht ist Bartsch der einzige männliche Bewerber. Neben der Sabine Zimmermann aus Sachsen, die als Lafontaine-Anhängerin gilt, erwägt die nordrhein-westfälische Linken-Chefin Katharina Schwabedissen ihre Bewerbung.