
| Nordkurier |
von Katja Müller
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Nachts kommt er nicht in den Schlaf, weil ihn die Verdächtigungen gegen seine Kolleginnen immer wieder aufs Neue schockieren und auch am Tag hat Rainer Meier* kaum einen Moment Ruhe. Die Arbeitsatmosphäre auf der Intensivstation habe sich dramatisch verschlechtert. „Wir klagen schon lange, dass es zu wenig Personal gibt, denn immer wieder kommen Krankschreibungen, weil die Kollegen psychisch so unter Druck gesetzt werden“, erzählt die Pflegekraft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgrund des womöglich abgeschalteten Blutkühlschrankes sind seiner Meinung nach das „Tüpfelchen auf dem i“.
Schon zuvor habe es immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Stationsleitung und Pflegepersonal gegeben, sodass die Mitarbeiter sich bereits geschlossen im November mit einem Brief an den Betriebsrat der Klinik gewandt hätten. Ohne Erfolg. In dem zweiseitigen Schreiben kritisieren die Mitarbeiter vor allem die Arbeit des erst kürzlich eingestellten Stationsleiters Thomas W. „Seit dem herrscht ein Klima des Misstrauens. Langjährige bewährte Arbeitsabläufe werden grundlos aufgehoben, ohne Argumente des Pflegepersonals auch nur anzuhören.“ Als Beispiele führen die Mitarbeiter in ihrem Brief die Anschuldigungen in Sachen Blutkonserven und Abmahnungen einzelner Mitarbeiter auf. So seien beispielsweise die Informationen nicht in jedem Fall persönlich oder per Einschreiben übergeben, sondern in teils offenen Briefumschlägen auf dem für jeden einsehbaren Schwesterntresen hinterlegt worden.
Auch unterbesetzte Schichten sind ein Thema: „Wir möchten darauf hinweisen, dass die qualitativ gute Pflege nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Es kommt sogar noch schlimmer: „Hygienemaßnahmen können durch den erhöhten Arbeitsaufwand nicht vollständig umgesetzt werden“, heißt es am Ende des Briefes.
Bislang haben weder Betriebsrat noch Klinikleitung zu den schweren Vorwürfen Stellung bezogen. Die Klinikleitung distanziert sich lediglich von den Behauptungen, die Intensivstation sei unterbesetzt: „Der Pflegeschlüssel wird auf allen Stationen eingehalten, ist sogar höher als in vielen anderen bundesdeutschen Kliniken“, sagte Anette Pröber gestern auf Nachfrage der Redaktion.
„Uns wurde lediglich gesagt, wir sollten das alles nicht so eng sehen und aufeinander zu gehen“, sagt eine der Schwestern. Für die Redaktion war die Betriebsratsvorsitzende gestern nicht erreichbar.
* (Name von der Redaktion geändert)
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