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Künstliche Kicker im Mini-Fußball-Stadion

Auch Fußball spielen Roboter gegeneinander: Hier das Team „SPQR“ aus Italien gegen „RoboEireann“ aus Irland bei den „RoboCup German Open 2013“, die Anfang der Woche in Magdeburg ausgetragen wurden.
Auch Fußball spielen Roboter gegeneinander: Hier das Team „SPQR“ aus Italien gegen „RoboEireann“ aus Irland bei den „RoboCup German Open 2013“, die Anfang der Woche in Magdeburg ausgetragen wurden.

Drei, zwei, eins, los: Zwei schuhkastengroße Roboter aus Drähten, Aluschienen, Sensoren und Motoren bewegen sich über das gelbe Spielfeld. Ein Gesicht haben sie nicht, auch keine Beine, aber ein programmiertes Gehirn aus Kabeln, das ihnen genau sagt, was zu tun ist. Die Atmosphäre ist wie in einem Mini-Fußballstadion. Scheinwerfer sind installiert, auf einer Leinwand werden die Spiele übertragen, im Internet gibt es einen Live-Stream.

Die Studenten applaudieren und fiebern mit es ist die „Eurobot 2013“, die Europameisterschaft für Roboter an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Acht Teams, unter anderem aus München, Leipzig, Dresden und Belgien, traten am vorigen Wochenende in mehreren Spielen gegeneinander an. Wer hat den klügsten und dynamischsten Roboter gebaut?

Otter Drei und Otter Junior stapeln Sektgläser

Das gilt es unter Beweis zu stellen: In 90 Sekunden. „Unsere Roboter haben auch Namen. Das ist Otter Drei und das ist Otter Junior“, sagt Cagri Erdogan, der Leiter des Teams „RobOtter Club“ an der HAW. Seit neun Monaten trainiert das zwölfköpfige Team, denn die Aufgaben der Roboter sind aufwendig. Das Motto des Wettbewerbs lautet „Happy Birthday“. Innerhalb von 90 Sekunden wird Geburtstag gefeiert. Ein kurzes Vergnügen: Otter Drei und Otter Junior pusten Kerzen aus, packen Geschenke aus, stapeln Sektgläser – aber nur symbolisch.

Die Geburtstagstorte ist eine pinke Holzkonstruktion, die Kerzen werden durch Tennisbälle dargestellt. Auch die Geschenke sind lediglich Holzplatten, die von den Robotern umgestoßen werden müssen. Nur der Luftballon, der am Ende aufgeblasen wird, ist originalgetreu. Je mehr Aufgaben erledigt werden, desto mehr Punkte gibt es für das Team. „Ich bin sehr stolz auf meine Studenten“, sagt Professor Thomas Frischgesell, der das Projekt der Fakultät für Technik und Informatik betreut. „Sie lernen bei dem Projekt viel mehr, als in einer reinen Theorie-Vorlesung.“

Das Besondere im Gegensatz zu anderen Roboterwettkämpfen ist, dass die Studenten nicht nur die Programmierung, sondern auch die Konstruktion der Roboter übernehmen. Alle Bereiche wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik fließen so zusammen. „Von solchen Studentenprojekten können auch wir in der Forschung Erkenntnisse gewinnen, denn oft gehen Studenten viel unkonventioneller an Probleme heran“, erklärt Christoph Borst vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Die Robotik ist weit gefächert, und viele Bereiche profitieren voneinander. „Wir entwickeln zum Beispiel Roboter für die Wartungsarbeiten an der ISS. Daraus gewinnen wir Erkenntnisse, die zum Beispiel auch in der Medizinrobotik nützlich sind“, sagt Borst. Derzeit bestehe eine große Herausforderung darin, kleinere, flexiblere und sichere Roboter für die Industrie zu bauen, die in der Nähe des Menschen arbeiten können und mit ihm kooperieren. Im Haushalt werden Roboter bereits als Staubsauger oder Rasenmäher eingesetzt.

Industrieroboter kostet 30 000 bis 40 000 Euro

Roboter-Entwicklung ist teuer. Ein Industrieroboter koste heute 30 000 bis 40 000 Euro. Die Studenten an der HAW hatten bereits ein Budget von 16 000 Euro zur Verfügung. Preisgelder konnten die Studenten bei dem Wettbewerb in Hamburg nicht gewinnen. „Für uns zählt allein der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles“, sagt Erdogan.

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