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Der meiste Müll im Meer kommt vom Festland

Jute statt Plastik: In Deutschland kommen auf jede Person pro Jahr nur 71 Plastiktüten – im EU-Vergleich wenig.  FOTO: dpa
Jute statt Plastik: In Deutschland kommen auf jede Person pro Jahr nur 71 Plastiktüten – im EU-Vergleich wenig. FOTO: dpa

Von dpa-Korrespondent
Georg Ismar

Hilft eine Zwangsabgabe auf alle Plastiktüten? Oder ein Pfand auf Fischernetze? Eine internationale Konferenz in Berlin will die Müllflut in den Meeren der Welt eindämmen.

Berlin.Jochen Flasbarth hat ein plastisches Beispiel – auch wenn ihn seine Beamten darauf aufmerksam gemacht haben, dass es keine Bahnlinie zum Mond gibt. Im Umweltbundesamt (UBA) sind sie nun mal sehr penibel. „Das ist ein Güterzug vollgepackt mit Meeresmüll von hier zum Mond und halb zurück“, versucht der UBA-Präsident die Menge von bis zu 142 Millionen Tonnen Müll in den Weltmeeren zu veranschaulichen. Tüten, Fischernetze und alles, was so auf Schiffen über Bord geworfen wird, treibt auf hoher See. Ein immer größeres Problem sind die Mikroplastikartikel. Flasbarth schlägt nun Alarm.
Eine internationale Meeresmüllkonferenz berät jetzt in Berlin, was getan werden kann, damit nicht immer mehr Fische und Vögel winzige Plastikpartikel schlucken – und diese letztlich über den Fischkonsum im Körper der Menschen landen. Heute werden dort auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und EU-Umweltkommissar Janez Potocnik über Lösungsideen debattieren. Laut UN-Umweltprogramm treiben 13 000 Plastikpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche, durch Strömungen werden diese weltweit verteilt. In der Nordsee wird der Plastikanteil am Meeresmüll auf 75 Prozent geschätzt. Es gibt Übereinkommen wie die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL), um die Meeresvermüllung zu reduzieren, aber bisher ist vieles eher vage, unverbindlich.
Gelöst werden muss das Problem aus UBA-Sicht see-, aber vor allem auch landseitig. Deutschland soll dabei ein Vorreiter sein. Als ein Mittel gegen zu viel Plastikmüll schlägt Flasbarth für Deutschland eine Bezahlpflicht bei Tüten vor. Er will, dass Drogerien, Kaufhäuser und Bekleidungsläden Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgeben. Die Grünen pochen auf eine Abgabe von 22 Cent pro Tüte. Auf jede Person kommen in Deutschland laut UBA 71 Plastiktüten pro Jahr, in Bulgarien sind es 421 Stück, der EU-Schnitt liegt bei 198 Tüten. In Irland ist durch eine 44-Cent-Abgabe die Quote auf 18 Tüten zurückgegangen.
Was das mit den Meeren zu tun hat? Es gibt nur wenige Länder, die ein so hoch entwickeltes Abfall- und Recyclingsystem haben wie Deutschland. Daher geht es hier primär um eine weitere Reduzierung des Plastikmülls an sich – als Zeichen auch an andere Staaten. Es wird geschätzt, dass rund 80 Prozent des Meeresmülls von der Landseite kommen, laut UBA vor allem über Flüsse oder „über große küstennahe Mülldeponien beispielsweise im Mittelmeerraum“. Plastik hat eine sehr lange Abbauzeit. Ein zunehmendes Problem sind auch Kosmetikprodukte, Duschbäder und Zahncremes, deren Kunststoffkügelchen über das Abwasser in die Meere gelangen können, da Kläranlagen diese Stoffe nicht rausfiltern können.

„Global gesehen, ist es
nur Kosmetik.“
„Hinzu kommt natürlich der ganze Müll in der Schifffahrt, sei es bei Kreuzfahrten oder Containerschiffen, der über Bord geworfen wird“, betont Flasbarth. Er fordert eine Pflicht für alle EU-Häfen, die Abfallgebühren in die Hafengebühren zu integrieren, wie es in den Ostseehäfen schon der Fall sei.
Damit nicht immer mehr Vögel, Fische und Delfine in auf hoher See entsorgten Fischernetzen verenden, kann aus Sicht von Umweltschützern eine Pfandpflicht für Netze helfen. Der Naturschutzbund (NABU) hat zudem das Projekt „Meere ohne Plastik“ ins Leben gerufen – es soll die fachgerechte Entsorgung von Müll unterstützen, den Fischer in ihren Netzen einsammeln. NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff betont zugleich: „Global gesehen, ist es nur Kosmetik.“ Man müsse das Problem vom Land her bekämpfen, durch mehr Recycling, Mülltrennung – und weniger Tüten.

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