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Erstaunlich: Schwarzarbeit hat positive Auswirkungen

VonMarc Herwig

Schwarzarbeit ist fast ein Volkssport: Millionen Deutsche arbeiten auch mal ohne Rechnung, sagen Experten. Handwerker klagen über die illegale Konkurrenz.

Chemnitz.Der Frust über Schwarzarbeiter in der Branche sitzt bei vielen Handwerkern tief. „Da bemüht man sich um seine Kunden, steckt viel Zeit in Angebote – und am Ende schnappt einem ein Schwarzarbeiter den Auftrag weg. Das ist Betrug an der ganzen Branche und kostet legale Arbeitsplätze“, schimpft Uwe Lorbeer von der Handwerkskammer Chemnitz. Schätzungen zufolge wird in Deutschland jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust. Doch Experten betonen, dass das auch positive Auswirkungen habe – sogar für die legal arbeitenden Handwerker.
Für die deutschen Schwarzarbeits-Fahnder ist es oft wie ein Kampf gegen Windmühlen. Denn die Schattenwirtschaft hat zwar einerseits gewaltige Ausmaße, ist aber auch sehr kleinteilig. Auf 340 Milliarden Euro schätzen das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz ihr Volumen. Das sind 13,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Doch ein großer Teil davon spielt sich im Privaten ab, sei es beim Rasenmähen in Nachbars Garten, beim Babysitten oder eben bei Handwerkerleistungen.
Doch so schwarz-weiß will Schwarzarbeits-Experte Schneider die Lage nicht malen. Es gebe eben nicht auf der einen Seite die ehrlichen Handwerker und auf der anderen Seite die schwarzen Schafe. Von den insgesamt rund neun Millionen Schwarzarbeitern in Deutschland haben nach seinen Studien rund acht Millionen einen regulären Job und bessern sich nach Feierabend schwarz das Einkommen auf.
Schneider glaubt auch nicht, dass den regulären Betrieben durch Schwarzarbeit so viele Aufträge abhandenkommen. „Viele Bauherren könnten sich ihr Einfamilienhaus gar nicht leisten, wenn sie alles auf Rechnung laufen lassen müssten.“ Der Professor schätzt, dass rund 60 Prozent der schwarz erledigten Bauaufträge gar nicht erteilt würden, wenn es keine Schwarzarbeit gäbe. Von diesen zusätzlichen Baustellen profitierten auch die legal arbeitenden Handwerksbetriebe, denn kaum ein Haus werde komplett schwarz hochgezogen. So kurbele die Schwarzarbeit sogar den regulären Auftragseingang an. Und auch die Schwarzarbeiter gäben ihr Geld wieder irgendwo aus und kurbelten so die Wirtschaft an. Der große Verlierer sei der Staat. Ihm gehen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge verloren.

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