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„Fischbestände in 100 Jahren erholt“

Am Mittwoch wurde sie beschlossen – die „histori-
sche Wende“ in der europä-
ischen Fischereipolitik, wie es Berlins zuständige Minis-
terin Ilse Aigner (CSU) aus-
drückte. Doch was bedeuten die Beschlüsse wirklich? Antworten von Korrespon-
dent Detlef Drewes.

Wie will die EU die Über-
fischung stoppen?
Das alljährliche Ritual der Verhandlungen über neue Fangquoten wird künftig ausfallen. Die Mitgliedstaaten wollen es Wissenschaftlern überlassen, die Quoten festzulegen. Außerdem soll das Problem des Beifangs noch schärfer angegangen werden.

Was ist Beifang?
Rund 30 Prozent der Fische, die aus dem Meer geholt werden, landen wieder im Wasser. Sie sind zu klein oder aus anderen Gründen unverkäuflich. Das ist ein schwerer Schlag für die ohnehin gefährdeten Bestände, denn die Tiere landen verletzt oder tot wieder im Meer. Künftig dürfen höchstens fünf Prozent des Fangs wieder zurückgeworfen werden.

Und das hilft?
Die Umweltverbände loben zwar die Einigung von Brüssel, sind aber noch nicht zufrieden. So sagte die Fischerei-Expertin der Umweltweltstiftung WWF, Alexandra Benett, unserer Zeitung: „Laut einer neuen WWF-Analyse braucht es mit den jetzigen Vorschlägen der EU 100 Jahre, bis sich die Meere erholen. Mit den strikteren Verboten, die das Europäische Parlament fordert, würden sich die Bestände innerhalb von zehn Jahren auf immerhin 75 Prozent regenerieren.“

Als Verbraucher kann ich aber wenig tun, um das
Problem zu lösen, oder?
Der Verbraucher sollte wissen, dass für eine Portion Scholle auf seinem Teller 300 Gramm Beifang angefallen sind. Für eine Portion Scampi sind es sogar 1500 Gramm, 1800 Gramm für eine Portion Seezunge. Es lohnt sich also sehr wohl, beim Kauf die Hinweise der Forscher und Umweltverbände zu beachten.

Welchen Fisch kann ich
essen? Welchen sollte
man nicht kaufen?
Unbedenklich ist der Kabeljau, wie der Dorsch in der Ostsee genannt wird. Allerdings liegen die Bestände in der Nordsee weiter im roten Bereich. Der schwarze Aal allerdings ist so stark gefährdet, dass die Experten raten, den Fang komplett einzustellen.

Die Umweltstiftung WWFbietet einen Einkaufsratgeber an:www.wwf.de/fischratgeber

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