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Fischer zappeln am Haken der Holländer

VonRalph Sommer

An Hering mangelt es nicht in der Ostsee und die Netze sind entsprechend gut gefüllt. Doch die Niedrigpreise auf dem Markt bereitet den heimischen Fischern einiges Kopfzerbrechen.

Barth.Die Winde an der Reling ächzt, als sie das Netz anhebt und an Bord zieht. Der Fang ist so schwer, dass der Fisch schon fast auf dem Meeresboden lag. Meter für Meter hieven die Fischer das erst einen Tag zuvor im Bodden ausgebrachte Netz an Deck. In den Maschen zappeln eng neben einander fette, quicklebendige Heringe.
Die Stimmung an Bord steigt. Fünf sogenannte Längen bergen die Männer, insgesamt 50 Meter Stellnetz. Zum Schluss füllen schätzungsweise 600 Kilo Fisch das Oberdeck. Sofort geht der 38-jährige Kapitän Andre Grählert wieder auf Heimatkurs. Im Barther Hafen warten schon seine Saisonhelfer, um den Fisch aus den engmaschigen Nylonnetzen zu puken, wie man auf Rügen sagt. Hier, an der Darß-Zingster-Boddenküste sprechen die Fischer vom Herings-Pflücken. Gleich nach der Anlandung sticht Kutter „Lupo“ noch einmal in See. Grählert will das gute Wetter ausnutzen und noch ein weiteres Stellnetz einholen und setzen.
Zusammen 24 hauptberuflich tätige Fischer zwischen Dierhagen und Barth gehen in diesem Frühjahr noch auf Heringsfang. „Früher waren wir mal an die 80“, sagt Horst Grählert. Der Senior, der schon seit 1967 fischt, geht seinem Sohn in der Saison noch zur Hand. Das Geschäft sei hart geworden, sagt er. „Zu viele Probleme, zu viele Risiken!“ Lange musste die Crew in diesem Frühjahr warten, bis der Bodden endlich eisfrei war und die Netze gesetzt werden konnten. Erst seit dem 9. April fischen die Grählerts wieder Hering. Jetzt drängt schon wieder die Zeit. Insgesamt 72,6 Tonnen Heringsquote hat der Kutter für dieses Jahr erhalten, immerhin 13 Tonnen mehr als 2012. „Bislang haben wir 52 Tonnen abgefischt“, sagt Kutterführer Grählert. Ein kleines Fangkontingent wolle er sich für den Herbst aufheben. Fast der gesamte Fang werde nach Mukran zum Rügener Fischwerk von Parlevliet & Van der Plas geliefert.
Auf die Holländer sind die Fischer am Barther Bodden derzeit nicht besonders gut zu sprechen. Denn schon kommende Woche will das vor zehn Jahren eingeweihte Verarbeitungszentrum Euro Baltic die Annahme von Hering einstellen. Dann drohen die kleinen Stellnetzbetriebe an der vorpommerschen Küste auf ihren Fängen sitzen zu bleiben. „Und dann noch diese Preise“, schimpft Grählert. Gerade mal 38 Cent habe ihm das Fischwerk im Februar für das Kilo Hering gezahlt. Vor einem Jahr seien es 51 Cent gewesen. Und in Dänemark würden den Fischern sogar bis zu 60 Cent ausgereicht. „Was nützt es, wenn die Quote steigt, uns aber die Niedrigpreise hierzulande die beste Fangsaison vermiesen?“

EU-Parlament setzt
Fördermittel falsch ein
Jetzt zeige sich die verfehlte Förderpolitik von damals, sagt Werner Kuhn (CDU), der seit vier Jahren als Abgeordneter im Fischereiausschuss des EU-Parlaments arbeitet, in Zingst wohnt und hin und wieder mal mit den Fischern auf See fährt. Mit Fördermillionen sei seinerzeit der Bau des Fischwerkes unterstützt worden, während kleinere Verarbeitungsprojekte zum Beispiel in Greifswald-Ladebow und Stralsund leer ausgingen und scheiterten. Nun habe man zwar in Mukran einen verlässlichen Abnehmer, aber zugleich auch einen Monopolisten, der die Preise diktieren könne.
Lediglich die Freester Fischer, die wie schon zu DDR-Zeiten ihren dänischen Stammkunden belieferten, könnten ein wenig Druck in den Preisverhandlungen ausüben. Mecklenburg-Vorpommerns Heringsfischer sind auf der Zielgeraden. „Die Schleppnetzfischer haben bereits ihre Quote abgefischt“, sagt der Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss. Die geringeren Anlandungen der kleinen Stellnetzfischerei reichten nicht, um die Kapazitäten in Mukran auszulasten. Das sei wohl der Grund, warum die Holländer die Produktion jetzt schon auslaufen ließen. Dabei gehe erst jetzt der rogenreife Hering in die Netze, den asiatische Kunden so sehr schätzten.

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