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Haften Eltern wirklich für ihre Kinder?

Auch wenn das Schild warnt: Nicht immer haften Eltern für das, was ihre Kinder anstellen.  Foto: Andrea Warnecke
Auch wenn das Schild warnt: Nicht immer haften Eltern für das, was ihre Kinder anstellen. Foto: Andrea Warnecke

VonBerit Waschatz

Kinder spielen Fußball und zerschießen eine Scheibe. Doch je nach Alter sind
sie für den verursachten Schaden nicht verantwortlich. Außerdem haften nicht immer die Eltern für das entstandene Chaos.

Berlin.Baustellen haben eine magische Anziehungskraft auf Kinder. Vermutlich deshalb hängen die Betreiber an die Baustellenzäune stets das gelbe Schild mit schwarzer Aufschrift „Eltern haften für ihre Kinder“. Doch das gilt nicht automatisch. Das Schild gehört vielmehr zu den deutschen Rechtsirrtümern. Denn nicht immer ist ein Kind schuldfähig, und nicht immer haften die Eltern, wenn ihr Kind etwas Dummes anstellt.
„Das Schild ist unsinnig“, sagt Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. Zwar haben Eltern dafür zu sorgen, dass ihr Kind nicht die Baustelle betritt. Aber wenn sie alles dafür getan haben und es trotzdem auf die Baustelle entwischt, dann haften sie für eventuelle Schäden nicht.
Allgemein gilt: Eltern haben eine Aufsichtspflicht und müssen ihr Kind so betreuen, dass andere keinen Schaden erleiden. Doch diese Aufsichtspflicht muss je nach Alter des Kindes keine Rund-um-die-Uhr-Bewachung sein. Wenn die Mutter etwa auf dem Spielplatz etwas fallen lässt, sich kurz danach bückt und ihr Kind in diesem Moment einem anderen Kind mit einem Förmchen eine Platzwunde zufügt, dann hat die Mutter nicht ihre Aufsichtspflicht verletzt.
Außerdem können die Eltern ihre Aufsichtspflicht auch zeitweise abgeben – vertraglich an einen Kindergarten zum Beispiel. Wenn dann etwas passiert, ist die Einrichtung verantwortlich.
Anders sieht es aus, wenn man das Kind nur mal kurz in die Obhut eines Nachbarn gibt. Zerkratzt das Kind dann ein Auto, haftet die Nachbarin nicht. „Dann sind die Eltern Schuld und müssen den Schaden zahlen“, sagt die Berliner Rechtsanwältin Becker. Ohnehin sind Kinder, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nicht deliktfähig. Erst danach können sie für ihr Tun herangezogen werden. „Da wird aber immer im Einzelfall entschieden“, sagt Becker. Denn es kommt dabei auch auf die geistige Reife des Kindes an und ob ihm wirklich bewusst war, dass es einen Fehler begeht.

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