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Innere Kinder-Welt und echtes Leben verknüpfen sich im Spiel

Jaimee und Charlotte (links), beide acht Jahre alt, spielen gern „MauMau Extreme“[KT_CREDIT] FOTO: NLZ
Jaimee und Charlotte (links), beide acht Jahre alt, spielen gern „MauMau Extreme“[KT_CREDIT] FOTO: NLZ

VonMatthias Lanin

Spielen macht Kinder stärker, finden Heilpäda- gogen. Leider sei die
Erkenntnis nicht zu jedem Erzieher vorgedrungen.

Würzburg/Berlin.Beim Thema Spielen sind die Gräben zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und pädagogischem Alltag metertief. Wie weit ein Kind entwickelt ist, sei früher vor allem daran gemessen worden, welche Liedtexte und Bücher es kenne, ob es seinen Namen schreibt und welche geometrischen Formen es unterscheidet, erklärt der Kieler Professor Armin Krenz. „Es ist erschreckend festzustellen, dass manche Erzieher und Grundschullehrer immer noch an dieser überholten Einschätzung festhalten“, findet der Pädagoge.
Durch das Spielen können Kinder ihre innere Welt mit der äußeren, der dinglichen Welt verknüpfen. Sie erlernen Kompetenzen, die ihnen besonders im späteren Sozialleben sehr von Nutzen sind. „Angefangen mit dem emotionalen Bereich: Erkennen, Erleben und Verarbeiten von Gefühlen, besseres Verarbeiten von Enttäuschungen und Versagen, geringere Aggressionsbereitschaft, stärker ausgeprägte Belastbarkeit, größere Ausdauer“, zählt er auf. Die Liste der motorischen und kognitiven Vorteile ist ebenfalls lang.
Der Experte ist jedoch kein Freund des sogenannten freien Spiels, bei dem die Eltern oder Erzieher sich völlig heraushalten. Vielmehr gehe es darum, Kindern aktiv zu helfen. „Kinder spielen lassen ist genauso wenig hilfreich wie eine spielunterdrückende Atmosphäre“, meint der Pädagoge. Kinder könnten selbstverständlich erst dann im freien Spiel ihre Möglichkeiten ausschöpfen und erweitern, wenn sie die Grundlage einer Spielfähigkeit verinnerlicht haben.
Nach Clara Maria von Oy, Mitbegründerin der Heilpädagogik, lassen sich fünf Spielformen bei Kindern ausmachen. Das Funktionsspiel, bei dem Neugeborene bis Zweijährige sich und die Umwelt erforschen. Beim Symbolspiel ahmen Kinder ab zweieinhalb Jahren Handlungen nach. Anschließend beginnen Kinder bereits mit Konstruktionsspielen, die erfolgreich oder nicht erfolgreich sein können, also schon eine gewisse „Frustgefahr“ haben.
Der typische Vertreter des kindlichen Rollenspiels ist das Mutter-Vater-Kind-Spiel, bei dem Sozialmechanismen geübt werden. Bei der anspruchsvollsten Art des Spielens, dem Regelspiel, muss ein Kind Regeln, Rollen und Perspektiven tauschen und annehmen können.

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