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Kaum einer will eigener Chef werden

Mit dem Rückgang der Unternehmensgründungen sinkt auch die Zahl der neu geschaffenen Jobs. Eine Besserung ist nicht in Sicht.  FOTO: Tim Brakemeier
Mit dem Rückgang der Unternehmensgründungen sinkt auch die Zahl der neu geschaffenen Jobs. Eine Besserung ist nicht in Sicht. FOTO: Tim Brakemeier

VonHarald Schmidt

Die Gründerstimmung in Deutschland ist verflogen: 2012 haben sich so wenige Menschen selbstständig gemacht wie seit mindestens 13 Jahren nicht mehr.

Frankfurt/Main.Die Konjunktur ist mau, die Arbeitslosigkeit sinkt: Diese Wirtschaftslage ist Gift für Firmengründer. Denn die einen haben einen sicheren Job und müssen nicht, andere trauen sich nicht, ihr eigener Chef zu werden. Die Folge: In Deutschland wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Im vergangenen Jahr gründeten nur 775 000 Menschen eine Firma im Voll- oder Nebenerwerb – sieben Prozent weniger als 2011 und so wenige wie nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000, wie die staatliche Förderbank KfW mitteilte.
„Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist besorgniserregend, denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Er betont: Existenzgründer fördern Innovationen und Strukturwandel.
Die Entwicklung senkt auch den Beschäftigungseffekt: Freiberufler und Jungunternehmer schufen 2012 insgesamt 383 000 Vollzeitstellen – 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie nie seit Beginn dieser Berechnungen 2005. Davon entfielen 171 000 Stellen auf Mitarbeiter.
Die gute Situation am Arbeitsmarkt habe nicht nur die Anreize gesenkt, in die Selbstständigkeit einzutreten. Gleichzeitig erschwerte sich für Gründer die Suche nach guten Mitarbeitern, berichtete die KfW: Im Zweifel würden Arbeitnehmer die Sicherheit und die höhere Entlohnung in einem etablierten Unternehmen dem Risiko bei einer neuen Firma vorziehen. Zudem sind nach nur drei Jahren im Schnitt 25 Prozent der Jungunternehmen wieder verschwunden.
Wirkliche Besserung ist nicht in Sicht. „Für 2013 gehen wir davon aus, dass die Zahlen in etwa auf dem Niveau von 2012 bleiben“, gibt sich Zeuner wenig zuversichtlich.

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