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Knausrige Kundschaft treibt immer mehr Friseure in die Schwarzarbeit

Präzisionsschnitte und innovative Farbkreationen sollen bei der Kollektion Frühjahr/Sommer 2013 nicht nur für den Wow-Effekt, sondern vor allem für Kundschaft sorgen.  FOTO: Arne Dedert
Präzisionsschnitte und innovative Farbkreationen sollen bei der Kollektion Frühjahr/Sommer 2013 nicht nur für den Wow-Effekt, sondern vor allem für Kundschaft sorgen. FOTO: Arne Dedert

VonSabine Ränsch

Weil viele Sparen wollen oder müssen, gehen sie selten zum Friseur. Dieser hat wenig Einnahmen, zahlt schlecht. Ein Mindestlohn soll helfen, könnte aber auch alles nur schlimmer machen.

Bad Homburg.Manche Friseure raufen sich nach Feierabend die Haare: Wie können die Kunden bei der Stange gehalten und neues, kreatives Personal gewonnen werden? Zumal jetzt, wo Preiserhöhungen ins Haus stehen, die zu spüren sein dürften, auch wenn das Handwerk keine Zahlen nennt.
Das eigentliche Problem der Branche liegt im Verborgenen: Mal schnell der Nachbarin, Freunden oder Bekannten nach Feierabend die Haare schneiden und dafür kleines Geld kassieren – für viele gelernte Friseure scheint das die einzige Möglichkeit, ihren schmalen Verdienst aufzubessern. Zwar ist der Friseurberuf nach Angaben des Zentralverbandes immer noch bei Mädchen der beliebteste Handwerksberuf, allein 2012 aber sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um über vier Prozent.
Kunden für Feierabend-
Friseure gibt es genug: Laut der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) geht nur gut jeder zweite erwachsene Bundesbürger (55 Prozent) in einen Friseursalon. Im Durchschnitt sechs Mal im Jahr ließen sich die Kunden von Profis die Haartracht verschönern. 40 Euro lassen siepro Besuch im Salon. Es gebe genug Friseure im Land, aber zu wenig Nachwuchs, sagt Verdi-Sprecherin Christiane Scheller. Kein Wunder, findet sie: „Wer möchte denn noch Friseur werden, wenn das Geld nicht zum Leben reicht?“ Die Branche sei von Niedriglöhnen geprägt, im Osten würden derzeit Stundenlöhne um vier Euro gezahlt. Das bedeutet weit weniger als 1000 Euro Netto-Monatsverdienst. Da seien die 6,50 Euro, die nach der Mindestlohnvereinbarung ab August im Ost-Friseurhandwerk gezahlt werden müssen, schon ein enormer Sprung. Bis 2015 soll der Lohn bundeseinheitlich auf mindestens 8,50 Euro steigen. Preiserhöhungen dürften die Folge sein.
Immerhin werde nun der Mindestlohn bei den Jobcentern als allgemein üblich hinterlegt und eröffne die
Möglichkeit, wegen Sittenwidrigkeit gegen Niedrigstlöhne vorzugehen, sagt Scheller. Der unerwartet schnelle Abschluss der Vereinbarung zeige, wie groß das Problem sei. Ziel müsse es sein, das Image des Friseurberufs zu verbessern – das werde nur funktionieren, wenn junge Leute mehr verdienen könnten. „Niedriglöhne führen in die Schwarzarbeit“, sagt Scheller dazu.

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