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Mahnerin Lagarde lässt nicht locker

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, will die Kollegen wachrütteln.  FOTO: BENOIT DOPPAGNE
Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, will die Kollegen wachrütteln. FOTO: BENOIT DOPPAGNE

VonMarco Mierke

Die Eurozone in der Rezession, die Zypern-Krise noch in den Knochen. Das Frühjahrstreffen der 188 IWF-Staaten in Washington steht einmal mehr im Zeichen der Eurokrise.

Washington.Die einen finden Christine Lagarde angenehm geradlinig, andere halten sie für ein bisschen zu frech. Tatsächlich gibt sich die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gern provokant, wenn sie Politiker zum Handeln gegen die Krise aufruft.
„Wir brauchen Gesetzgeber, die ihren Job erledigen“, ließ die einstige französische Finanzministerin jüngst wieder ihre europäischen Ex-Kollegen wissen. Was Lagarde süffisant verpackt, ist in Wahrheit eine laute Warnung: Die Eurozone verliert den Anschluss an den Rest der Weltwirtschaft, wenn sie ihre Probleme nicht endlich mutig löst. Wenn Ende der Woche die Finanzminister und Notenbankchefs der 188 IWF-Mitgliedsländer zur Frühjahrstagung nach Washington kommen, wird genau dies Lagardes Leitmotiv sein: Eine halbe Dekade nach der globalen Finanzkrise befindet sich die Welt endlich wieder in einer stabilen Konjunkturlage – Europa aber nicht. Die jetzt veröffentlichte Konjunkturprognose des Fonds zeigt mehr: Die Schwellenländer haben fast wieder zu alter Stärke als Wachstumslokomotive gefunden, sie werden laut IWF im kommenden Jahr um insgesamt 5,7 Prozent wachsen. Europa hingegen ist in Lagardes neuer Dreiklassen-Gesellschaft mit 1,1 Prozent im unteren Drittel zu finden.
Die Deutschen dürften es nicht gerne hören, von Christine Lagarde in die schwächste Gruppe gesteckt zu werden. Schon bei den vergangenen beiden IWF-Treffen verbat sich etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das ewige „Euro-Bashing“. Immerhin komme Europa gerade bei den großen Reformen voran, wie er stets betont.

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