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Mieten, kaufen, wohnen

Astrid Kieß (hinten) zeigt Sylvia Küster wie man Aufträge bestätigt.  Foto: Ute Ziemann
Astrid Kieß (hinten) zeigt Sylvia Küster wie man Aufträge bestätigt. Foto: Ute Ziemann

Vor zwei Jahren hat Sylvia Küster noch nicht einmal gewusst, dass es den Beruf Immobilienkauffrau gibt. Heute ist sie von ihrer Ausbildung total begeistert und will nach erfolgreichem Abschluss gleich noch eine Fortbildung zum Immobilienfachwirt dranhängen. „Ich bin durch eine Anzeige in der Zeitung auf den Ausbildungsplatz aufmerksam geworden“, erzählt die 19-Jährige. Im Internet und bei der Arbeitsagentur habe sie sich über das Aufgabenfeld schlau gemacht, bevor sie sich bewarb. „Mir gefällt, dass der Beruf so vielseitig und abwechslungsreich ist. Man verbringt nicht die ganze Arbeitszeit im Büro, sondern ist auch im Außendienst tätig und hat Kontakt zu vielen Menschen“, nennt die Abiturientin Gründe für ihre Entscheidung.

Seit September 2012 lernt die Neubrandenburgerin bei der Gimpex Handels- und Dienstleistungsgesellschaft mbH. Dort ist das Ausbildungszentrum der Unternehmensgruppe Neuwoba, zu der außerdem die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG. und die Implabau GmbH gehören, angesiedelt. „In allen drei Firmen werden die angehenden Immobilienkaufleute eingesetzt“, betont Geschäftsführerin Astrid Kieß, die gleichzeitig die Ausbilderin von Sylvia Küster ist. Sie kann bestätigen, dass viele junge Leute den Beruf nicht kennen. „Das habe ich bei Ausbildungsbörsen immer wieder feststellen müssen“, sagt sie.

Dabei ist der anerkannte Ausbildungsberuf keinesfalls neu. Er wurde zuletzt 2006 novelliert, das heißt komplett an die aktuellen Anforderungen der Branche angepasst. Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz ist ein guter bis sehr guter Realschulabschluss. Im Bereich der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern gibt es zurzeit 19 Ausbildungsbetriebe, in denen 45 junge Leute den Beruf Immobilienkaufmann frau erlernen. 15 von ihnen werden voraussichtlich im Sommer die Ausbildung beenden.

Bis zu ihrem Abschluss hat Sylvia Küster noch etwas Zeit. Doch einige Bereiche hat die Auszubildende im 1. Lehrjahr schon kennengelernt. Als Beispiele nennt sie die Wohnungsverwaltung, den Vertrieb und die Finanzabteilung. Was ihr davon am besten gefallen habe könne sie gar nicht sagen – alles sei spannend und interessant. Beispielsweise wie man Heiz- und Betriebskosten abrechnet, auf welche Weise man Mietpreise kalkuliert oder wie man Mietverträge unterschriftsreif vorbereitet. Erste Erfahrungen in der Durchführung von Kundengesprächen hat sie auch schon gemacht. „Das war ganz schön aufregend“, gesteht sie. „Der gute Kontakt zu den Kunden ist ganz wichtig für die Arbeit“, betont ihre Ausbilderin. Alles fachliche Können würde nicht fruchten, wenn Immobilienkaufleute nicht aufgeschlossen und kommunikationsfreudig sind.

Während der dreijährigen Lehrzeit wird Sylvia Küster auch Erfahrungen in der Bauplanung und Baubetreuung sammeln. Denn die Begleitung von Um- und Neubauten sowie die Sanierung von Altbausubstanz, Wohnungsmodernisierungen sowie die technische Gebäudeumrüstungen gehören ebenfalls zum Aufgabenfeld von Immobilienkaufleuten. Neben der praktischen Tätigkeit im Betrieb gehört die theoretische Wissensvermittlung an der Berufsschule in Waren zur dualen Ausbildung.
Im 3. Lehrjahr beginnt die Spezialisierung. „Dabei richten wir uns nach den Wünschen der Azubis und den Bedürfnissen des Unternehmens“, sagt Astrid Kieß.

Die Entwicklungsmöglichkeiten für Immobilienkaufleute sind vielfältig. Sie können beispielsweise in Wohnungsunternehmen, bei Bauträgern, als Immobilienmakler oder in Grundstücks-, Vermögens-, Immobilien- und Hausverwaltungen arbeiten. Darüber hinaus werden sie in Immobilienabteilungen von Banken und Bausparkassen eingesetzt. Welchen Weg Sylvia Küster einmal gehen wird ist noch nicht klar. Sie würde am liebsten in Neubrandenburg bleiben. „Die Chancen stehen gut“, sagt Astrid Kieß, „denn auch in unserem Unternehmen steht ein Generationswechsel an.“
 

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