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Olympische Disziplin: Seiltanz im Wald

Beim Balancieren gehen Max (vorn) und Maurice mutig voran. Die anderen Kinder aus der Burg Stargarder Klasse 4c folgen. Schließlich geht es um Punkte für die Waldolympiade. [KT_CREDIT] Fotos (2): Udo Zander
Beim Balancieren gehen Max (vorn) und Maurice mutig voran. Die anderen Kinder aus der Burg Stargarder Klasse 4c folgen. Schließlich geht es um Punkte für die Waldolympiade. [KT_CREDIT] Fotos (2): Udo Zander

VonMarina Spreemann

Sägen, springen, schätzen, rechnen – jedes Jahr im Frühsommer wird der Wald für Kinder im Nordosten zum Lernort. In diesem Jahr gibt es die Waldolympiade der 4. Klassen schon
zum siebten Mal. Und die Forstleute haben sich
neue Aufgaben überlegt.

Wilhelminenhof.„Achtung, da kommt das hungrige Krokodil“, ruft Kevin und zeigt auf die Stelle unter dem Seil. Krokodile – hier im Wald, fünf Kilometer weg von Burg Stargard? Da braucht es schon eine ganze Menge Phantasie. Aber den Kindern aus der Klasse 4c mangelt es daran nicht.
Sie sind zusammen mit zwei anderen Klassen von der Grundschule „Kletterrose“ in Burg Stargard zur Waldolympiade angereist. An dieser Station, die von Mitarbeitern des Forstamtes Neustrelitz vorbereitet wurde, geht es um Geschicklichkeit – und auch ein bisschen Mut. Selbst wenn unter dem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil keine hungrigen Krokodile lauern. Aber für Max, Maurice, Fiene, Lilly und die anderen ist das kein Problem. Ruckzuck sind alle über das Seil balanciert und die Gruppe Rehe hat wertvolle Punkte in der „olympischen Disziplin Seiltanz“ eingeheimst.
„Wir haben uns gut vorbereitet“, erzählt Lilly und berichtet von einer Klassenfahrt in das Jugendwaldheim Steinmühle bei Neustrelitz. „Dort sind wir auf einem Balken balanciert und im ,Spinnennetz‘ herumgeklettert. Außerdem haben wir Gegenstände danach sortiert, ob sie in den Wald gehören oder nicht. Am anstrengendsten waren aber die Läufe im Fuchskostüm“, berichtet sie von dem Ausflug.
Auch im Wald warten noch eine Menge Aufgaben auf die Kinder. Gleich an der nächsten Station nimmt Forstingenieurin Anja Meußling die Gruppe in Empfang. Hier geht es weniger um sportliches Können als um ein kluges Köpfchen.
Die Forstmitarbeiterin zeigt den Kindern einen Würfel mit einer Kantenlänge von 10 Zentimetern. „So viel Holz wächst in einer Woche auf einer Fläche von 100 Quadratmetern, wie wir sie hier im Wald gekennzeichnet haben“, sagt sie und zeigt auf das rot-weiße Absperrband. Dann wird gerechnet, wie viele Würfel kommen in einem Jahr zusammen, wie hoch wäre ein Turm daraus. Zwischendurch reden Anja Meußling und ihre Förster-Kollegen mit den Kindern darüber, dass der Wald natürlich zur Holzgewinnung, aber auch für gute Luft und erholsame Spaziergänge wichtig ist und wie er erhalten werden kann.
„Diese Station ist – neben den altbekannten wie Weitsprung, Holz sägen, Tierspuren erkennen – in diesem Jahr neu“, erklärt Matthias Puchta, der das Forstamt Neustrelitz leitet. Seine Kollegen machen bereits zum siebten Mal bei der landesweiten Olympiade mit. In diesem Jahr sei das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gerückt worden. „Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde und wird in allen Bereichen diskutiert“, erläutert Puchta.„Erfunden“ worden sei sie vor300 Jahren in der Forstwirtschaft. Vereinfacht gesagt, bedeute das Prinzip, nur so viel Holz einzuschlagen wie nachwachse, damit der Wald erhalten bleibe. Anja Meußling freut sich, dass die Kinder an der neuen Station gut mitmachen. „Die meisten schaffen 16 oder 17 von 19 möglichen Punkten“, berichtet die junge Frau, die gerade einen Lehrgang für Waldpädagogik absolviert. In jedem Forstamt solle mindestens ein Mitarbeiter für diesen Bereich qualifiziert sein, sagt sie. Auch das habe eine Menge mit Nachhaltigkeit zu tun.
Dass sie im Forstamt Neustrelitz auf diesem Gebiet arbeiten könne, gefalle ihr sehr. „Das ist einfach mein Ding“, meint die dreifache Mutter. Besonders die Waldolympiade liege ihr am Herzen. „Ich finde es gut, wie mit Spiel und Spaß Wissen vermittelt wird. Die Kinder sind mit Kopf, Herz und Hand dabei. Das ist mal was anderes als der Unterricht im Klassenzimmer“, sagt sie.

Kontakt zur Autorin
m.spreemann@nordkurier.de

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