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Reklame für „Wutbürger“

Auf den Werbeplakaten von Lisa Pfeiffer und Carolin Schramm geht es um Früchte und Gemüse. Zu sehen sind aber nicht Erdbeeren, Pfirsiche oder Zwiebeln, sondern Bäuche, Hälse, Haut von Menschen. Die beiden Friedländer Gymnasiastinnen aus der 11. Klasse wollen mit ihren Arbeiten auch nicht Obst verkaufen, sondern für eine Bürgerinitiative Reklame machen. Diese
Initiative gibt es allerdings gar nicht. Sie müsste aber eigentlich dringend gegründet werden – finden inzwischen auch die beiden jungen Frauen.
Ihre Aufgabe für den bundesweiten Europäischen Wettbewerb war es, eine Werbekampagne zu einer Bürgerinitiative für Europa zu entwickeln. „Ein Thema zu finden, war gar nicht so einfach“, berichtet Lisa. Auf Anregung ihrer Kunstlehrerin Marion Ulrich haben sich die Mädchen mit den EU-Normen für Lebensmittel beschäftigt.
Sie fanden dabei heraus, dass Lebensmittel, die in Größe, Form oder Gewicht nicht den Festlegungen entsprechen, oft weggeworfen werden. Warum muss die Pfirsichhaut makellos sein und die Erdbeere einen Mindestumfang haben? Darüber kann sich Carolin aufregen: „Es gibt viele Leute auf der Welt, die hungern. Und wir normen unsere Lebensmittel?“
Für Lisa ist da auch gleich ein Thema aus dem Philosophie-Unterricht eingeflossen. „Es ging darum, was der Mensch wert ist, warum Leute, die anders sind, oft ausgeschlossen werden.“ Für sie sei völlig unklar: Menschen sind nicht perfekt, warum müssen es Lebensmittel sein? Und diese Frage stellen die beiden mit den Postern. Ihre Mitschülerin Thea Taube hat sich das Thema Privatisierung von Wasser ausgesucht.
„Ich musste mich damit schon sehr viel beschäftigen und habe im Internet eine Menge gelesen“, berichtet sie. Ihr Ergebnis sind eine Art Karikaturen, die zeigen, wie die Wasserrohre für verschiedene Länder „zugestopft“ werden. Unter dem Motto „Save my Water“ ruft sie zur Unterschriftensammlung für das Wasser als Menschenrecht auf.
Seit der 5. Klasse beteiligen sich die Schülerinnen regelmäßig am Europäischen Wettbewerb. Zum einen weil sie häufig erfolgreich waren und zum Beispiel an Reisen nach Straßburg oder Berlin teilnehmen durften. „Das ist ja auch eine Bestätigung. Unsere Ideen haben zum Beispiel die Leute aus der Jury überzeugt“, sagt Lisa Pfeifer. Thea Taube meint, dass es sich auch bei Bewerbungen künftig gut macht, wenn man Engagement zeigt und an einer Sache dranbleibt. Für Carolin Schramm ist es wichtig, sich auf diese Weise mit Fragen und Problemen auseinanderzusetzen, sich sozusagen nebenbei aktuelles Wissen anzueignen.
Das ist auch für die Friedländer Kunstlehrerin Eva Mieth, die das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern als Landesbeauftragte betreut, ein wichtiger Aspekt. Durch den Wettbewerb beschäftigten sich die Schüler mit aktuellen Inhalten und könnten üben, sich auf verschiedene Art und Weise – fotografieren, schreiben, zeichnen, filmen – auszudrücken. Bei der 60. Runde des Europäischen Wettbewerbs haben nach Angaben von Eva Mieth 1833 Schüler aus dem Nordosten mitgemacht.
167 von ihnen konnten Landespreise einheimsen. 32 erhielten Bundespreise – so wie Lisa, Carolin und Thea.

Die Arbeiten der Preisträger aus Mecklenburg-Vorpommern sind bei einer Ausstellung zum 60. Geburtstag des Europäischen Wettbewerbs vom 9. bis zum 17. November in der Kunsthalle Rostock zu sehen.

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