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Stressresistente Mitarbeiter dringend gesucht

Großer Stress am Arbeitsplatz gehört für viele Berufstätige mittlerweile zum Alltag dazu: Mehr als jeder Vierte kommt im Job immer oder oft an die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit.  FOTO: Jens Schierenbeck
Großer Stress am Arbeitsplatz gehört für viele Berufstätige mittlerweile zum Alltag dazu: Mehr als jeder Vierte kommt im Job immer oder oft an die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit. FOTO: Jens Schierenbeck

VonAnnika Graf

Immer mehr Betriebe investieren in Gesundheits-
management und -förderung. Doch häufig werden die Angebote nicht angenommen.

Ditzingen/Stuttgart.Yoga in der Mittagspause, regelmäßige Gesundheitschecks, gesunde Lebensmittel aus der Region – was sich liest wie das Angebot einer Krankenkasse, ist das Konzept des Maschinenbauers Trumpf. Das Ergebnis: „Trumpf hat insgesamt einen sehr niedrigen Krankenstand von unter drei Prozent“, sagt Astrid Oellerer. Sie ist die Leiterin des Personal- und Sozialwesens bei dem Mittelständler mit Sitz in Ditzingen.
150 000 Euro lässt sich das Unternehmen im Jahr allein sein Gesundheitszentrum kosten. Damit ist Trumpf im Mittelstand eher die Ausnahme: „Bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen gibt es großen Nachholbedarf“, sagt Oliver-Timo Henssler, Geschäftsführer bei der Firma EuPD Research, die zusammen mit „Handelsblatt“ und TÜV Süd das „Corporate Health Jahrbuch“ herausgibt, das jetzt vorgestellt wurde.
Während Großkonzerne in der Regel mehr Geld für die Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter aufwenden können, fällt es kleineren Betrieben oftmals schwerer. Bei der Bahn BKK kennt man das Problem: „Eine Impfaktion oder ein De-Eskalationstraining lohnen zum Beispiel nur, wenn genügend Leute sich beteiligen“, sagt Eckard Steffin, der das Referat Netzwerk Gesundheit bei der Krankenkasse leitet. Dort bemüht man sich, kleine Firmen zu gemeinsamen Aktionen zusammenzubringen.
Doch selbst wenn es ein ausgefeiltes Angebot gibt, schaffen es von 283 Unternehmen nur wenige Firmen, mehr als die Hälfte der Mitarbeiter mit ihren Angeboten zu erreichen. Die Skepsis, den Arbeitgeber an der eigenen Gesundheit teilhaben zu lassen, überwiegt: „In Deutschland ist Gesundheit meistens noch Privatsache“, stellt Monika Rieger, Arbeitsmedizinerin an der Universität Tübingen fest.
Nur Angebote zu unterbreiten oder gar Broschüren auszuteilen, hat deshalb kaum einen Effekt. „Die Frage für Unternehmen ist, wie motiviert man Menschen, gesünder zu leben“, sagt Rieger. „Ganz große Betriebe leisten sich Menschen, die nachfragen.“ Vor allem in kleineren Firmen und Familienunternehmen hilft es, wenn der Chef einen gesunden Lebensstil vorlebt.
Eckard Steffin hat die Erfahrung gemacht, dass konkrete Maßnahmen eine Eigendynamik entwickeln können. In einem Busunternehmen hat er die Fahrer beispielsweise dazu angehalten, Kniebeugen und andere Übungen zu machen. Am Ende machten auch die Fahrgäste mit und die Firma nutzte die Aktion für ihr Marketing.
Bei einem Schifffahrtsunternehmen, wo die Mannschaft sich in ihrer Freizeit nur unter Deck aufhalten darf und häufig an Bewegungsmangel leidet, ließ er ein Schiff zum Gesundheitsschiff für besonders sportliche Seemänner umwidmen. Innerhalb der Firma entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb, um auf das Schiff zu kommen.

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