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Tempo-Bremse: Telekom wagt Kraftprobe mit Kunden

Die Telekom trifft mit ihren Plänen für Daten-Obergrenzen im Festnetz auf massive Kritik. Vor allem Internet-Aktivisten sehen den gleichberechtigen Zugang zu Netz-Ressourcen in Gefahr.  FOTO: Jochen Lübke
Die Telekom trifft mit ihren Plänen für Daten-Obergrenzen im Festnetz auf massive Kritik. Vor allem Internet-Aktivisten sehen den gleichberechtigen Zugang zu Netz-Ressourcen in Gefahr. FOTO: Jochen Lübke

VonAndrej Sokolow

Telekom-Chef Obermann lässt es darauf ankommen: Die Kritik von Nutzern und Politikern bringt ihn nicht von den Plänen für eine Daten-Obergrenze im Festnetz ab.

Berlin.Nach dem Schock mit der Tempo-Bremse hat Telekom-Chef René Obermann die Aufmerksamkeit der Kunden sicher. Seit Jahren klagt die Telekommunikations-Industrie über hohe Kosten für den Ausbau der Breitbandnetze, sinkende Erlöse und eine aus ihrer Sicht zu rigorose Regulierung aus Brüssel. Die Ankündigung von Daten-Obergrenzen auch im Festnetz ist der nächste Eskalationsschritt in einem jahrelangen Tauziehen zwischen Telekom, Aufsehern und Politikern – nur dass diesmal Verbraucher zur Kasse geben werden sollen. Und die sind alles andere als begeistert.
Online-Foren sind seit einer Woche voll empörter Kommentare. Eine Internet-Petition gegen die Pläne fand bereits mehr als 100000 Unterstützer. Beim Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hat der Satire-Account „@drosselkom“ über 6000 Abonnenten. Die Scherze schlagen alle in die gleiche Kerbe: „Halten Sie sich bitte an die Netzöffnungszeiten und hören sofort auf, über den Tatort zu twittern! Das sprengt uns die Leitungen!“ oder „Nutzen Sie bitte nicht Skype. Sie finden bestimmt einen Münzfernsprecher ganz in Ihrer Nähe!“. Alte Feindbilder leben auf: Die Erinnerung an die Zeiten, da die Telekom als behäbiger Service-Dinosaurier galt, ist noch frisch.
Ausgerechnet der scheidende Telekom-Chef René Obermann, der viel dafür getan hat, das Image der Telekom zu verbessern, stößt jetzt die Kunden vor den Kopf. Auch angesichts der Entrüstung weicht er nicht zurück. „Die Alternative wäre eine Preiserhöhung für alle Kunden, die in unseren Augen weder klug noch gerecht wäre“, hakte Obermann in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Phi-lipp Rösler (FDP) ab.

Wie viele betrifft die
Obergrenze im Jahr 2016?
Obermanns Argument: Die überwiegende Mehrheit der Kunden werde überhaupt keinen Unterschied merken. Erstens gelte die Daten-Kappung nur für neue Verträge. Außerdem sei das Datenvolumen der meisten Kunden drastisch niedriger als die angekündigten Obergrenzen. „Nach heutigem Stand wären von dieser Preisänderung nur etwa drei Prozent der Kunden betroffen“.
Die Tempo-Bremse soll aber nicht sofort in Kraft treten, sondern erst 2016. Das sind drei Jahre – in der Internet-Zeitrechnung eine kleine Ewigkeit. Online-Videos oder Musikstreaming, bei denen viele Datenpakete durchs Netz flitzen, sind auf dem Vormarsch. Genau dieses explodierende Datenvolumen nennt die Telekom als einen zentralen Grund für den Bedarf an leistungsstärkeren Netzen. Ob es 2016 immer noch nur drei Prozent der Kunden sind, die an den Telekom-Obergrenzen kratzen, ist also zu bezweifeln.

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