Wie wär es mit Sorbisch, Chinesisch oder Astronomie?

Astronomie als Fach im Lehramtsstudium? Darauf kommen wohl die wenigsten.   Foto: Nicole Löffler
Astronomie als Fach im Lehramtsstudium? Darauf kommen wohl die wenigsten. Foto: Nicole Löffler

Es gibt Schulfächer, die kennt jeder. Andere klingen eher ungewöhnlich: Astronomie zum Beispiel, Plattdeutsch, Chinesisch, Schwedisch, Sorbisch oder Darstellendes Spiel. Wer Lehrer werden möchte und sich nicht auf Standards wie Deutsch und Erdkunde festlegt, kann unter Umständen gerade mit solchen scheinbar exotischen Schulfächern punkten.

Viele Möglichkeiten, das etwas andere Fach zu belegen, gibt es bei den Fremdsprachen: Dänisch auf Lehramt lässt sich sogar in Freiburg im Breisgau studieren, Niederländisch beispielsweise in Köln und Oldenburg, Sorbisch in Leipzig. Noch ganz frisch ist Chinesisch für angehende Lehrer in Tübingen. Offizieller Start ist zum kommenden Wintersemester. „Neben Göttingen sind wir bundesweit die ersten“, sagt Prof. Achim Mittag vom Lehrstuhl für Sinologie. Chinesisch ist in Tübingen ein bivalenter Studiengang. Das heißt, man belegt zwei Schulfächer, zum Beispiel Chinesisch und Deutsch. Eine Begrenzung der Studienplätze gibt es nicht, Sprachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. „Ein Semester an der Peking Universität ist allerdings Pflicht.“

Ole Hruschka unterrichtet an der Uni Hannover Darstellendes Spiel. An manchen Schulen ist das ein eigenes Fach. „Innerhalb Deutschlands ist das allerdings total unterschiedlich“, räumt Hruschka ein. Das Studium in Hannover zielt auf den Unterricht in der Oberstufe. Angehende Lehrer studieren es neben einem zweiten Unterrichtsfach wie Deutsch, Englisch oder Spanisch – oder als drittes Fach. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Theaterpädagogik und Theatergeschichte.

Astronomie für Lehramtsstudenten gibt es in Tübingen und in Halle-Wittenberg. Dort ist es ein Ergänzungsfach für Studenten in Physik, Mathe und Geografie. Als eigenes Unterrichtsfach gibt es Astronomie vor allem an Schulen in Ostdeutschland. „In anderen Bundesländern gibt es aber Arbeitsgemeinschaften und Kurse in der Oberstufe“, sagt Helmut Grätz vom Institut für Physik der Uni Halle-Wittenberg. Die Studenten dort wählen Astronomie als drittes Fach und schließen es mit einem Zertifikat ab. Derzeit sind 37 Lehramtsstudenten immatrikuliert. In Bundesländern, in denen das Fach unterrichtet wird, sei der Bedarf an Lehrern nicht gedeckt. Wer sich mit Astronomie um eine Stelle bemühe, habe deshalb oft bessere Karten.

Auch an der Uni Greifswald gibt es Lehramtsfächer, die an anderen Hochschulen als exotisch gelten würden: Schwedisch, Norwegisch und Dänisch. Abwegig ist das nicht: „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehr als 20 Schulen, an denen Schwedisch unterrichtet wird“, sagt Prof. Christer Lindqvist vom Institut für Skandinavistik. Norwegisch und Dänisch spielen eine kleinere Rolle. Wer eine der Sprachen in Greifswald auf Lehramt studieren will, belegt es als drittes zusätzliches Fach. Die Kombination Deutsch und Geschichte gebe es wie Sand am Meer, sagt Lindqvist. „Aber Norwegisch dazu, das ist ein Farbtupfer und kann später ein Pluspunkt sein.“ Und ein Beweis für besondere Motivation.

Plattdeutsch spielt heute im Alltag keine große Rolle mehr. Aber es gibt eine Reihe von Universitäten, die Niederdeutsch auch fürs Lehramt anbieten, Rostock etwa, Flensburg, Oldenburg oder Münster und Kiel.

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