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Tütchen aufs Handy und pusten

Klingt erstmal praktisch: Ein Tütchen aufs Handy stecken und pusten, ob man nach dem Zechen noch fahren kann. Vom Bett aus die Symptome eintippen und die Diagnose kommt. Medizin-Apps boomen.

Aber viele sind Schrott, sagen Experten. Beispiel Schwarzer Hautkrebs. Wer gefährdet ist, lässt Leberflecke vom Arzt kontrollieren. Könnte diese „Blickdiagnose“ nicht auch ein Kameraauge übernehmen? Mehrere Apps bieten genau das an. „Eine Studie hat bewiesen, dass selbst die App mit dem vermeintlich besten Erkennungserfolg knapp ein Drittel der Testfälle falsch negativ klassifizierte“, weiß Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Arzt wird nicht ersetzt

Bereits 2011 gab es laut Branchenverband Bitkom 15 000 Gesundheits-Apps. Nur die wenigsten bieten echte medizinische Hilfe wie Blutzuckermessen, Alkohol- oder Sehtests.

„Keine Diagnose-App kann das Expertenwissen und Einfühlungsvermögen eines guten Arztes ersetzen“, sagt Albrecht. Früher habe man in den Praxen mehr „von oben nach unten“ diskutiert, sagt Martin Leimbeck, Landarzt im mittelhessischen Braunfels. „Das wandelt sich gerade.“ Informierte Patienten findet der Allgemeinmediziner gut. Problematisch werde es, wenn die Leute mit angelesenem Halbwissen kämen. „Sie wissen ja nie: Ist das alles korrekt, was da steht.“

Bei chronischen Krankheiten als Unterstützung sinnvoll

Anders liegt der Fall bei Fachärzten, die mit chronischen oder lebensbedrohlichen Krankheiten zu tun haben, etwa Onkologen. „Krebspatienten müssen so gut wie möglich informiert sein, um für sich einen Weg durch die Krankheit zu finden“, sagt Prof. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).

Dass der Patient leichter an Infos kommt, kann auch den Arzt weiterbringen, glaubt Mediziner und App-Experte Albrecht. „Der Arzt ist mehr gefordert, er muss sich mit den Informationen der Patienten aus dritten Quellen auseinandersetzen.“

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