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Atommüll-Frage: Deutschland sucht das Super-Endlager

[KT_BU]Neues Versteckspiel. [KT_CREDIT] karikatur: Jürgen Tomicek
[KT_BU]Neues Versteckspiel. [KT_CREDIT] karikatur: Jürgen Tomicek

Von unserem Korrespondenten
Christoph Slangen

Ungewohnt harmonisch einigen sich die Parteien auf einen Fahrplan bei der Suche nach einem
Aufbewahrungsort für atomaren Abfall.

Berlin.Angestrengt, aber glücklich sieht er aus: „Endlich“ habe man sich auf die ergebnisoffene Suche nach einem Atommüll-Endlager geeinigt, freute sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) in der niedersächsischen Landesvertretung über den gelungenen Coup: Bis zum Jahr 2031 soll ein Endlager gefunden sein.
Eine 24-köpfige Kommission wird die Suche unter Standorten in der ganzen Republik vorbereiten, die Energiekonzerne sollen die Kosten von zwei Milliarden Euro für die neue Erkundung tragen. „Ein guter Tag für die Republik“, lobte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). „Ein deutlicher Schritt vorwärts“, stimmte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ein. Im Atompoker präsentierten sich gestern nur Sieger. Die Vertreter von Bund und Ländern, SPD, Grünen, CDU und FDP boten in Wahlkampfzeiten ein ungewohntes Bild der Einigkeit.
Alle zeigten sich stolz, dass ein Konsens zwischen Bund und Ländern und über die Parteigrenzen hinweg gelungen ist – zumindest im Prinzip. „Das ist eine historische Entscheidung, weil wir endlich dazu kommen, aus der Sackgasse Gorleben rauszukommen“, lobte auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Bis zum Jahr 2031 soll der Standort für ein Endlager in Deutschland gefunden sein – dazu wird ergebnisoffen quer durch die Republik nach dem geeignetsten Standort gesucht. Auch der Salzstock Gorleben, in den bisher 1,6 Milliarden Euro Erkundungskosten geflossen sind, bleibt weiterhin eine mögliche Option.
Die rot-grüne Regierung in Niedersachsen, ebenso wie Sozialdemokraten und Bündnisgrüne auf Bundesebene hoffen jedoch darauf, dass er bei Anwendung strenger wissenschaftlicher Kriterien aus dem Kreis geeigneter Endlager ausscheiden dürfte.
Das Sankt-Florians-Prinzip –„Verschon’ mein Haus, zünd andere an“ – ist trotz der Einigung auf ein Endlagersuchverfahren verbreitet. Besonders heikel auch die Kostenfrage: Auf zwei Milliarden Euro wird die Erkundung veranschlagt, zahlen sollen die Energiekonzerne. Voraussichtlich fünf Standorte könnten so oberirdisch geprüft, und zwei auch unterirdisch geprüft werden. Die Energiekonzerne, die bereits die Erkundungskosten für Gorleben getragen haben, könnten Schadenersatzklagen geltend machen. Der Umweltminister gab sich kampfeslustig: Verhandlungen werde es mit den Konzernen nicht geben. Diese hätten die Pflicht, die Kosten zu tragen: „Dabei bleibt es auch.“

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