Nordkurier.de

Keine Chance für Fleisch-Panscher

Naturgereiften „Alten Schweden“ prüft Käsemeisterin Renata Ehrler in der Ostsee-Molkerei in Wismar. Die Ernährungsbranche ist in MV Wirtschaftsfaktor Nummer eins.  Foto: Jens Büttner
Naturgereiften „Alten Schweden“ prüft Käsemeisterin Renata Ehrler in der Ostsee-Molkerei in Wismar. Die Ernährungsbranche ist in MV Wirtschaftsfaktor Nummer eins. Foto: Jens Büttner

VonJörg Spreemann

Die Ernährungsbranche im Land macht sich Sorgen um bröckelndes Verbraucher-
vertrauen. Ein neues Leitbild soll die Kunden wieder anlocken.

Göhren-Lebbin.„Wir waren geschockt, dass so etwas möglich ist“, sagt Uta Nehls. Die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern steht noch im Bann des Pferdefleischskandals vor wenigen Wochen. Möglicherweise sei das nur die Spitze des Eisbergs gewesen, fürchtet sie am Rand des Branchentages Ernährungswirtschaft in Göhren-Lebbin. Aus Sicht der Kunden sei es wichtig, über die Bestandteile von Lebensmitteln umfassend informiert zu werden. „Aber nicht durch lange, kleingedruckte Zutatenlisten“, schränkt sie ein.
Als Verbraucherschützerin ist Uta Nehls auf Antworten auf die Frage angewiesen, wie Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftszweig Nummer eins seinen Ruf als Produzent gesunder Lebensmittel verteidigen will. Gemeinsam mit 130 Unternehmern und Dienstleistern der Branche bekommt sie an diesem Tag immer wieder das Wort Vertrauen zu hören. Trendforscher Peter Wippermann hält eine handfeste Warnung parat: „Nicht der Wettbewerb um niedrige Preise, sondern um das Vertrauen der Kunden entscheidet mehr und mehr.“
Angesichts einer Vielzahl von Gütesiegeln und Informationen fühlten sich aber viele Verbraucher überfordert, aus ihrer Sicht „korrekte“ Produkte zu kaufen. Lebensmittelskandale wie die Rinderseuche BSE, die EHEC-Epidemie oder jetzt die illegale Beimischung von Pferdefleisch haben laut Wippermann über die Jahre Misstrauen angestaut. „Gute Ernährung ist immer verbunden mit Gesundheit und oft wichtiger als Medikamente“, sagt der Mediziner Robert Metelmann. Der frühere Kultusminister leitet die Kommission Mensch und Land, die für die Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern ein Leitbild erarbeitet. „Damit wollen wir die Branche auf der Erfolgsspur halten“, begründet Metelmann. Dass es hinter den Kulissen zwischen Vertretern der intensiven Landwirtschaft und Befürwortern der Agrarwende heftig kracht, räumt er ein. Trotzdem gebe es Einigkeit bei Vorteilen regionaler Marken oder kurzer Wege für Lebensmittel vom Acker in die Läden.
Auf engen Kundenkontakt setzt jetzt bereits Walter Kienast. Der Chef der Greifswalder Greifen-Fleisch beantwortet jede Anfrage oder Beschwerde von Kunden innerhalb von 24 Stunden. Auch wenn die eigene Firma vom Pferdefleischskandal nicht betroffen gewesen sei, habe es viele Anrufe und Mails gegeben. Über die Fleischpanscher hat er eine feste Meinung: „Das sind für mich Kriminelle“.

Kontakt zum Autor
j.spreemann@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×