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Kniff mit Schere erhält Petersilien-Aroma

Die Petersilie zerkleinert Sy- bille Salchow mit einer Schere.
Die Petersilie zerkleinert Sy- bille Salchow mit einer Schere.

VonRita Hidde

Sybille Salchow gehört zu den Hobby-Köchen, die sich mit ihren Rezepten am neu- en Koch-Magazin „Schätze aus Omas Töpfen und Pfan- nen“ beteiligt haben. In ihrer Küche zeigt sie, wie sie die Fischkartoffeln zubereitet, die ihre Familie so gern isst.

Friedland.Eins stellt Sybille Salchow gleich klar: Fisch gehört nicht an die Fischkartoffeln. Das Gericht heißt so, weil es wie Kochfisch, also Zander, Aal oder Barsch zubereitet wird. „Es ist ein einfaches Gericht, das ich von meiner Großmutter und meiner Mutter übernommen habe“, erklärt die Frau aus Friedland. „Wir essen es oft und gern – auch weil man es gut kombinieren kann.“
Eigentlich ist Sybille Salchow beim Kochen am liebsten allein in der Küche. So könne sie sich die Abläufe am besten einteilen. Es mache ihr einfach Spaß zu kochen, sagt die Rentnerin. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie mit ihrem Sohn und dessen Familie zusammen in einem Haus. Die wissen die Kochkünste der Mutter sehr zu schätzen. Wenn dann noch die Tochter zu Besuch kommt, darf sie sich wünschen, was sie essen möchte. „Am liebsten mag sie Ente“, weiß Sybille Salchow. Auch Kohlroulade, Buletten, Rinderroulade oder der Rippenbraten seien dann gefragt.
Heute aber gibt es Fischkartoffeln, die Sybille Salchow auch Petersilienkartoffeln nennt. Die Kartoffeln sind bereits geschält und werden nun in Stücke geschnitten. Am besten nimmt man mehlig kochende Kartoffeln dazu, die verbinden sich besser mit der Soße als fest kochende Knollen, so Sybille Salchow.
In einen Topf füllt sie gut 400 ml Wasser, dazu kommen die Kartoffelstücke. Die müssen „schwimmen“, erklärt die sympathische, aufgeschlossene Rentnerin. Sonst noch etwas Wasser zugeben, rät sie. Zu den Kartoffeln gibt sie die ebenfalls in Stücke geschnittene Zwiebel und Salz. Dann muss alles kochen.
„Manche Köche würzen die Fischkartoffeln, wie auch gekochten Fisch, noch mit Lorbeer und Piment“, weiß die Friedländerin. Sie habe da regionale Unterschiede festgestellt, zum Beispiel kochte man in Hinterpommern anders, als sie es kenne. Ihre Großeltern und die Eltern haben in Lassan gelebt, später auf der Insel Usedom, erzählt die frühere Kindergärtnerin und Erzieherin. „Mein Opa war Fischer und meine Oma hat oft Fischkartoffeln gekocht. Dazu gab es dann eben Fisch – gebraten, geräuchert oder auch als Fischbulette“, erinnert sie sich.
Bei Sybille Salchow stehen die Fischkartoffeln etwa alle zwei Wochen auf dem Tisch. „Meist am Sonnabend“, sagt sie. „Wir essen sie gern. Außerdem ist das ein schnelles Gericht und man braucht dafür auch nur einen Topf, denn man hat gleich eine Soße dabei“, zählt sie die Vorteile für die Hausfrau auf. Dazu gebe es aber immer eine andere ergänzende Beilage, mal Buletten, mal Schnitzel oder Kotelett, mal geräucherten Fisch oder Schinken. „Ich mag am liebsten Räucherfisch dazu“, gesteht die couragierte 70-Jährige. Und den bringt sie sich gern von der Ostsee mit, wenn sie ihre Eltern besucht.
Heute gibt es sogar drei Beilagen zu den Fischkartoffeln: Außer geräuchertem Fisch und Schinken auch Buletten. Die bereitet Sybille Salchow zu, während die Kartoffeln kochen. Nebenbei erzählt sie, dass sie anfangs gar nicht kochen mochte. „Ich habe mir lieber den Staubsauger genommen, statt mich mit meiner Mutter in die Küchen zu stellen“, gesteht sie. Als sie dann heiratete, habe sie „notgedrungen“ gekocht, weil ihr Mann bei der Arbeit kein Essen bekam. So manchen Tipp habe sie sich dann von ihrer Mutter geben lassen und viele Gerichte übernommen, die diese auch schon von der Großmutter kannte. „Meine Mutter und meine Oma konnten sehr gut kochen“, sagt Sybille Salchow. Inzwischen hat sie aber auch viel Neues ausprobiert, darunter manches Leser-Rezept aus den Koch- und Back-Magazinen der Verlagsgruppe Nordkurier.
Doch zurück zu den Fischkartoffeln. Nach etwa 20 bis 25 Minuten sind Kartoffeln und Zwiebeln gar. In einem Schüttelbecher rührt die Köchin Mehl und Milch an. Dazu gibt sie etwas vom Kochwasser, vermischt alles gut und dickt damit die Kartoffel-Zwiebel-Mischung an. Mit Pfeffer würzt sie und hebt die Butter unter. Vorsichtig rührt sie dann die Petersilie dazu. Die hat Sybille Salchow zuvor auf ganz besondere Weise zerkleinert. Sie zerschneidet das Würzkraut aus ihrem Garten in einem Becher mit einer Schere. „Das ist ein Trick von meiner Oma“, sagt sie. So bleibe die Petersilie viel aromatischer, als beim Zerkleinern in der Küchenmaschine. Sie gibt den Fischkartoffeln so eine besondere, intensive Note.
Die Hobby-Köchin aus Friedland ist mit dem Resultat zufrieden. „Eigentlich schmecken die Fischkartoffeln jedes Mal anders“, sagt sie. Denn sie arbeitet sehr selten nach Rezept, sondern fast immer nach Erfahrung und Gefühl. Da falle es ihr gar nicht so leicht, mal ein Rezept aufzuschreiben, um es weiterzugeben. Dennoch verrät sie auch gern die Zubereitung der fluffigen Grießspeise, die sie als Nachtisch zubereitet. Auch das ist ein Familien-Rezept, das sie von ihrer Mutter übernommen hat.

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