Nordkurier.de

Abblendlicht am Tage frisst unnötig viel Sprit

Tagfahrlicht spielt seinen Vorteil vor allem bei wechselnden Lichtverhältnissen wie auf Alleen aus, erhöht aber eben auch den Spritverbrauch des Fahrzeugs.
Tagfahrlicht spielt seinen Vorteil vor allem bei wechselnden Lichtverhältnissen wie auf Alleen aus, erhöht aber eben auch den Spritverbrauch des Fahrzeugs.

In Skandinavien ist es bereits seit vielen Jahren Vorschrift und völlige Normalität: Fahren mit Licht auch am Tage. Doch nicht nur in den wegen der langen Winter tendenziell dunkleren nordeuropäischen Ländern ist die Regelung sinnvoll. Licht schafft Erkennbarkeit und damit Sicherheit.

Einer vom ACE Auto Club Europa zitierten Studie zufolge wären bei einer durchgehenden Lichtpflicht jährlich zwei Millionen Unfälle europaweit vermeidbar. Die Folge: 155 000 weniger Verletzte und sagenhafte 5500 weniger Tote. „Allerdings“, gibt Thomas Fuhrmann, ehemaliger Entwickler für Scheinwerfer und Elektro- und Informationstechniker, zu Bedenken, „wer mit Abblendlicht, statt mit dem modernen Tagfahrlicht unterwegs ist, erhöht dadurch den Spritkonsum seines Autos empfindlich.“

Sichtbarkeit steigt bei normalem Licht nicht

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) hat ermittelt, dass sich bei inkorrekter Benutzung von Licht am Tag, der Kraftstoffverbrauch um etwa 0,1 bis 0,2 Liter auf 100 Kilometer steigt. Mit speziellem Tagfahrlicht würde der Anstieg des Verbrauchs bei gleicher Strecke auf 0,02 bis 0,05 Liter begrenzt.

Aber, so Thomas Fuhrmann weiter, auch bei Autos mit Tagfahrlicht würden viele Fahrer schon vor der Dämmerung ihr Abblendlicht anschalten, vor allem bei Wolken oder regnerischem Wetter. „Dadurch wird aber wieder der Spritverbrauch erhöht, nicht jedoch die Sichtbarkeit. Die für die Nacht optimierte Lichtverteilung des Abblendlichtes leitet den größten Teil auf die Straße vor dem Auto, wo es tagsüber ungenutzt absorbiert wird. Tagfahrlicht aber richtet sich vor allem auf den Gegenverkehr.“

Der Experte hat bei seinen Untersuchungen auch eine Reihe von Zahlen erhoben und sie dann mit Statistiken zum deutschen Straßenverkehr verknüpft. Er kam zu folgenden Ergebnissen: In Deutschland werden durch die falsche Benutzung von Abblendlicht etwa 130 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zusätzlich ausgestoßen. Werden in einigen Jahren alle Pkws serienmäßig mit Glühlampen oder LEDs für das Licht am Tag ausgerüstet sein, steigt bei unverändertem Verhalten der CO2-Ausstoß auf zusätzliche 550 000 Tonnen pro Jahr. „Effizientere Technik bringt also nicht automatisch Einsparungen mit sich“, erklärt er. „Nur durch richtiges Nutzerverhalten können sich deren Vorteile voll entfalten.“ Aus seiner Sicht wäre es notwendig, Autofahrern die richtige Verwendung von Tagfahrlicht zu erklären. „Das fängt bei der Betriebsanleitung an. Darin werden die Elemente zur Bedienung beschrieben, nicht aber, wann man das Tagfahrlicht und wann besser das Abblendlicht einschalten sollte. Wichtig ist aber ebenso auch die Ausbildung in der Fahrschule.“

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×