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Bahn in Not: Mehr Passagiere und immer weniger Züge

Zum Start des Winterfahrplans 2011 wurde der ICE 3 M auf der Basis der Siemens-Plattform Velaro als neueste ICE-Generation bei der Deutschen Bahn im internationalen Verkehr in Betrieb gehen.  FOTO: Roland Weihrauch
Zum Start des Winterfahrplans 2011 wurde der ICE 3 M auf der Basis der Siemens-Plattform Velaro als neueste ICE-Generation bei der Deutschen Bahn im internationalen Verkehr in Betrieb gehen. FOTO: Roland Weihrauch

VonBernd Röder

Noch läuft es rund bei der Bahn, doch sie baut schon einmal vor. Wenn der Mangel an Fernzügen nicht behoben wird, steigen mehr Fahrgäste auf Flugzeug oder Auto um.

Berlin.Ende März hatte Bahnchef Rüdiger Grube noch frohlockt, weil er eine gute Winterbilanz ziehen konnte. Anders als auf Autobahnen und Flughäfen sei der Verkehr auf der Schiene gut gelaufen. Im Fernverkehr stieg die Zahl der Bahnreisen 2012 um fünf Prozent. Doch selbst wenn die Fahrgäste weiter auf die Bahn fliegen sollten, könnte das Staatsunternehmen bald ausgebremst werden. Denn der Mangel an ICE und IC bringt die Bahn allmählich in ernste Schwierigkeiten. „Wir werden einen heißen Sommer und einen heißen Winter haben“, warnt Ulrich Homburg, im Bahnvorstand für den Personenverkehr zuständig, vor den kommenden Monaten.
Was er damit meint, ist die äußerst knappe Ausstattung mit Fahrzeugen. „Wir fahren im Prinzip jeden Tag ohne Reserve“, sagt Homburg. Von 255 ICE der Bahn würden 210 für den täglichen Verkehr gebraucht. Zwölf Züge seien stets in der Werkstatt, weil seit dem Bruch einer Achse im Jahr 2008 diese Bauteile viel häufiger auf Risse kontrolliert werden müssen. Dies wird sich erst ändern, wenn die ICE-3-Achsen mit Antriebsfunktion gegen neue ausgetauscht sein werden. Wie sich nun zeigt, zieht sich Genehmigung der Neukonstruktion immer weiter in die Länge. Der letzte Antrag liegt seit April beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Die Bahn erwartet im günstigsten Fall Ende dieses Jahres grünes Licht. Es gehe um komplizierte Fragen zu dauerhaften Festigkeit der Achsen, sagt Homburg. Sobald die Genehmigung dann vorliege, werde es etwa zweieinhalb Jahre dauern, bis alle 1200 Radsätze ausgetauscht sind, bei denen das nötig ist. Eigentlich sollte der Austausch im vergangenen Herbst beginnen.
Das EBA ist auch die entscheidende Instanz, die den Einsatz von 16 neuen ICE 3 genehmigen muss, auf die die Bahn sehnsüchtig wartet. Bei acht von ihnen hätte es im November 2012 beinahe geklappt, dann wurden die Renner doch noch gestoppt, weil das Programm für die Zugsteuerung nicht einwandfrei funktionierte. Siemens-Vorstandschef Peter Löscher hat lediglich zugesichert, dass die Züge von Ende Juli an dem EBA zur Verfügung gestellt würden. Noch steht in den Sternen, wie lange die Behörde für die Prüfung braucht. Siemens rechnet dabei mit mindestens vier Monaten. Homburg geht davon aus, dass die Bahn ihre Kunden nicht mehr lange mit dem jetzigen Wagenpark zufriedenstellen könne.

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