Nordkurier.de

Erdgasantrieb nun noch sparsamer

Das Selbstzündungs-Prinzip und die duale Brennstofftechnik bieten für die Zukunft ein hohes Entwicklungspotential bei Nutzfahrzeugen mit Erdgasantrieb.
Das Selbstzündungs-Prinzip und die duale Brennstofftechnik bieten für die Zukunft ein hohes Entwicklungspotential bei Nutzfahrzeugen mit Erdgasantrieb.

Nicht nur für Pkws, sondern auch für mittelschwere bis schwere Nutzfahrzeuge entsteht in Europa ein starker regionaler Markt. Bis 2018 werden europaweit laut einer Studie von „Frost & Sullivan“ etwa 3,4 Prozent der Lkw und 12,7 Prozent der Busse mit Erdgasantrieb unterwegs sein. Die jährliche Produktion in Westeuropa steigt bis zu diesem Zeitpunkt auf voraussichtlich etwa 18 000 Fahrzeuge an. Um den positiven Trend bei Gasfahrzeugen zu festigen und zukunftsfähig zu machen, empfiehlt die Studie einen Ausbau der Erdgas-Infrastruktur.

Zwei Treibstoffarten sind zu unterscheiden: komprimiertes Erdgas (Compressed Natural Gas = CNG) und verflüssigtes Erdgas (Liquified Natural Gas = LNG). Auch bestehen zwei verschiedene Methoden, den Kraftstoff zu entzünden: durch die sogenannte „Fremdzündung“ mit einem Zündfunken wie bei Ottomotoren oder durch Kompression des Kraftstoff-Luft-Gemisches, die eine Selbstzündung auslöst wie bei Dieselmotoren. Mittelfristig wird bei Lkw der Flüssiggasbetrieb mit Selbstzündung laut der Studie eine dominierende Stellung einnehmen, wohingegen erdgasbetriebene Busse zu rund 90 Prozent mit Fremdzündung fahren.

Der Fokus bei der weiteren Entwicklung liegt in erster Linie auf dem Selbstzündungsprinzip, da dieses eine bessere Langstreckentauglichkeit verspricht, so der Analyst Saideep Sudhakar: „Selbstzündungsmotoren haben das gleiche Kompressionsverhältnis wie Dieselmotoren und ermöglichen daher einen höheren Leistungs- und Drehmomentbereich (im Vergleich zu Motoren mit Fremdzündung), der den Einsatz für lange Strecken begünstigt.“ Kombiniert mit Flüssiggas ergibt dies die notwendige Reichweite für lange Strecken. Hohes Potential bietet auch die sogenannte „duale Brennstofftechnik“, bei der eine Mischung aus Diesel und verflüssigtem Erdgas den erforderlichen Treibstoff liefert.

Im Rahmen eines Feldversuchs testet das Unternehmen „Abfall Container Transport“ in Berlin einen 40-Tonner-Methan-Diesel-Lkw von „Volvo Trucks“ mit 338 kW/460 PS. Im Regional- und Fernverkehr fährt dieser im Normalbetrieb mit einer Mischung aus 25 Prozent Dieselkraftstoff und 75 Prozent LNG. Im Vergleich zu herkömmlichen Gasmotoren fällt dadurch der Verbrauch um etwa 25 Prozent niedriger aus. Die Reichweite des Fahrzeugs beträgt bis zu 1000 Kilometer. Ist einmal keine Erdgas-Tankstelle in der Nähe, kann es auch ausschließlich mit Diesel fahren, was die Flexibilität der Fahrzeugnutzung enorm erhöht.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×