Nordkurier.de

„Ich würde jetzt nicht mehr tauschen wollen“

Fine Remus, Rosi Heppner und Renate Heyn (v.l.) auf Tour. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Hamann
Fine Remus, Rosi Heppner und Renate Heyn (v.l.) auf Tour. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Hamann

„So Leute, kurz mal hergehört“, ruft Fine Remus die Radtruppe mit fünf Männern und acht Frauen zusammen. „Heute strampeln wir über Burg Stargard, Holldorf und Blankensee bis nach Carpin.“ Hin und zurück in die Viertorestadt sind das gut 60 Kilometer. „Renate Heyn lächelt und bleibt gelassen. „Seit dem ich mit dem E-Bike fahre, schaffe ich solche Strecken problemlos. Denn sind Hügel zu überwinden oder haben wir Gegenwind, schalte ich einfach den kleinen Motor hinzu und sause locker weiter.“ Die 73-Jährige ist sich sicher: „Ich würde nicht mehr auf ein normales Rad umsatteln wollen.“

Der Absatz der Strombikes ist in der vergangenen Zeit beachtlich gestiegen. Im Jahr 2012 kauften deutsche Kunden rund 400 000 Pedelecs. Und das, obwohl ein qualitativ ordentliches Pedelec alles andere als billig ist. 1500 bis 2000 Euro muss der Käufer schon locker machen. Die Experten empfehlen: Finger weg von Fernost-Billigware, denn die hält erfahrungsgemäß nicht lange oder kann im Straßenverkehr sogar gefährlich werden.

Von Nachrüstsätzen für konventionelle Fahrräder raten Fachleute ebenfalls ab, denn meist werden damit die Rahmen des Rads überfordert. Wie bei jeder größeren Anschaffung gilt es auch beim Pedelec oder E-Bike, sich zunächst über den Einsatzzweck Gedanken zu machen. Denn Stromer gibt es mittlerweile in Form fast aller Fahrradkonzepte: Die Spanne reicht dabei vom sportlichen Mountainbike über Transporträder und Klappbikes bis zum bequemen Cityrad.

Gut 200 bis 220 Kilometer schafft Rosi Heppner auf ihrem Hightech-Flitzer mit nur einer Batterieladung. „Ich setze den Motor sparsam ein. Nur wenn es unbedingt nötig ist“, sagt sie. Das Aufladen des Akkus ist ebenso kein Problem. „Mit zwei, drei einfachen Handgriffen baue ich die Batterie aus, und schließe sie zu Hause dann drei Stunden an eine normale 220-Volt-Steckdose an. Danach kann‘ s wieder losgehen“, versichert die Viertorestädterin.

Hinsichtlich des Aufbaus stehen drei Konzepte zur Wahl: Zum einen das E-Rad, auch „Pedelec“ genannt. Dabei handelt es sich um ein Hybridfahrzeug. Es setzt die Motorunterstützung nur dann frei, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Eine Steuerelektronik erfasst das Tretverhalten. Sie regelt entsprechend die Unterstützungskraft. Sind 25 km/h erreicht, steigt die Motorunterstützung aus. Die Motorleistung beträgt dabei normalerweise 250 Watt. Der Vorteil dieses Konzeptes: Der Radler benötigt dafür keine Fahrerlaubnis.

Eine besondere Versicherung ist nicht notwendig. Der Gesetzgeber setzt kein Mindestalter an. Eine Helmpflicht gibt es ebenfalls nicht. Ein flotteres Vorankommen bieten die Varianten, deren Unterstützung sich nicht abschaltet; doch dafür braucht der Velotreiber einen Mofa-Führerschein.

Auch um eine Versicherung und ein Kennzeichen muss er sich kümmern. Zu guter Letzt wäre da noch die Alternative, die das Rad ohne Tretunterstützung antreibt und bis zu 500 Watt (rund 0,7 PS) leistet. Das so genannte „E-Mofa“ oder „E-Bike“ bedarf ebenfalls einer Fahrerlaubnis für Mofas sowie eines Versicherungskennzeichens.
Mit dem wachsenden Aufkommen an Fahrradverkehr steigen jedoch die Anforderungen an die Infrastruktur.

Gerade die schnellen Pedelecs werden von anderen Verkehrsteilnehmern häufig unterschätzt, zumal sie von einem herkömmlichen Fahrrad auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden sind. Denn weder Fußgänger noch Autofahrer rechnen damit, dass etwa flotte Senioren mit 25 km/h über den Radweg gebraust kommen. „Wir brauchen dafür breitere Radwege, ausreichende Sichtmöglichkeiten an Knotenpunkten und Überholmöglichkeiten“, fordert das Deutsche Institut für Urbanistik (DIFU). Nicht immer ist ein hoher finanzieller Aufwand nötig. DIFU-Experten sehen als einfachste Lösung für finanzklamme Kommunen, Radstreifen auf die Straße zu malen.
 

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×