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Im Fahrrad-Kindersitz den Gurt anlegen

Gut angekommen an der Kita: Weda sitzt vorn, Ede hinten sicher im Fahrradanhänger.
Gut angekommen an der Kita: Weda sitzt vorn, Ede hinten sicher im Fahrradanhänger.

„Na, wo möchtest du sitzen?“, fragt Wilko Brandt seine kleine Tochter. „Am liebsten vorn im ,Sessel‘“, sagt Weda mit einem herzerweichenden Blick und flehender Stimme. Die Botschaft ist angekommen. Der liebevolle Vater schnappt sich kurzerhand die Zweieinhalbjährige und platziert sie auf dem Kinderfahrsitz vorn, direkt vor dem Lenker. Der ein Jahr ältere Bruder ist genügsamer, ihm ist es egal, dass er huckepack in die Sitzschale über dem Gepäckträger gehievt wird. Wenig später wird Ede angeschnallt, kriegt ebenso wie Weda den bunten Schutzhelm auf und los geht die morgendliche Fahrt zu dritt auf dem Rad in die Kita.
Ist Schmuddelwetter, darf der Junior auch schon mal in der „Kutsche“, dem Fahrradanhänger mit transparentem Verdeck Platz nehmen, während sein Schwesterlein eisern ihren Lieblingsplatz hoch zu Ross „verteidigt“.
Für Kleinkinder gibt es zwei geeignete Fortbewegungsmittel, wenn sie mit Papi und Mami auf Fahrradtour gehen, weiß Wilko Barndt als erfahrener Zweirad-Mechaniker. „Zum einen können Kids im Kindersitz mitfahren, der direkt am Bike befestigt ist, zum anderen im Anhänger.“ Vor- und Nachteile bieten beide Möglichkeiten. Deshalb sollte man sich vor Beginn der Fahrt über die Länge der Fahrstrecke im Klaren sein. So eignet sich der Kindersitz vor allem für kurze Strecken oder die Stadtfahrt. Für längere Ausflüge dagegen ist der Anhänger besser geeignet.
„Auf einem Kindersitz sollten die Knirpse aber erst im Alter von etwa einem Jahr Platz nehmen, wenn sie selbstständig sitzen können“, empfiehlt Hartmut Wehden,Inhaber eines Fahrradfachgeschäftes. „Ansonsten könnte die Wirbelsäule der Kleinen schnell Schaden nehmen.“ So beliebt auch der Platz vorn auf der Rahmenstange für die meisten Kinder ist, laut Straßenverkehrsordnung ist er nicht zulässig“, fügt der Fachmann hinzu. „Während der Fahrt müssen die Kleinen immer angegurtet sein. Das geht eben vorn nicht.“

Montage eine Sache für den Fachmann

Der Kindersitz hinten mit geschlossener Schale und Gurten zum Anschnallen biete wesentlich mehr Sicherheit. Mädchen und Jungen mit einem Körpergewicht bis 22 Kilogramm dürfen so befördert werden. „Die Montage sollte man aber besser dem Fachmann überlassen. Denn schwebt der Sitz nicht frei über dem Gepäckträger, nehmen die Kinder jede Erschütterung während der Fahrt voll mit“, warnt der Experte.
Als wahre Verwandlungskünstler erweisen sich moderne Raumwunder im Schlepptau des Fahrrads. Mit der „Kinderkutsche“ bekommt der Käufer gleich die Ausrüstung für drei Transport-Möglichkeiten im Komplett-Paket: Fahrradanhänger, Buggy sowie den geländegängigen Walker oder Jogger fürs Spazierengehen oder Laufen. In der Sicherheitsfahrgastzelle können sogar Babys in einer Art „Hängematte“ mit sanfter Abfederung transportiert werden.
„Die Hightech-Anhänger verfügen zudem über ein innovatives Schnellfaltsystem, einen niedrigen Schwerpunkt für gutes Fahrverhalten und hohe Kippstabilität“, weiß Hartmut Wehden. „Außerdem sind sie mit 5-Punkt-Sicherheitsgurten bestückt.“ Vergessen sollten Mutti und Vati bei solch einem Transport aber nicht, dass schon mehr Muskelkraft nötig ist, um das eigene Bike und die „Kutsche“ hintendran ins Rollen zu bringen, gibt Wilko Brandt, ehemaliger Vize-Weltmeister im Trial, zu bedenken. Sind die Sprösslinge mit den Jahren größer geworden, können sie schrittweise mit dem eigenen Rad fahren.

Vorbereitendes Training mit dem Laufrad

„Ich werbe drum, die Kinder zunächst auf ein Laufrad zu setzen, auf dem sie sehr schnell lernen, das Gleichgewicht zu halten“, erklärt Hartmut Wehden. Gelingt das gut, können sie aufs Kinderfahrrad umsteigen. „Dies sollte möglichst leicht und damit für die Kleinen beherrschbar sein sowie Mitwachs-Potenzial haben, damit sie einige Jahre damit radeln können.“ Auf Stützräder möge man lieber verzichten, sonst gehe der Lerneffekt vom Laufrad schnell wieder verloren“, erläutert der Fachmann. Bei der Begleitung Rad fahrender Kinder stecken Eltern allerdings in einem Dilemma: Knirpse unter acht Jahren müssen auf dem Gehweg radeln, wo Erwachsene, die sie begleiten, nicht fahren dürfen.

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