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Ruhe bewahren und Lenkrad festhalten

Reifenpanne: Ein Nagel hat den Pneu beschädigt. Zum Glück ist das nicht während der Fahrt passiert.
Reifenpanne: Ein Nagel hat den Pneu beschädigt. Zum Glück ist das nicht während der Fahrt passiert.

Tempo 120 km/h auf der Autobahn. Das Fahrzeug rollt gut im Verkehr mit. Musik aus dem Autoradio erfreut das Gemüt. Plötzlich ein dumpfer Knall. Der Wagen bricht nach links aus. Rhythmische, flatternde Schläge von Gummi gegen den Kotflügel sind zu hören…
„Typischer Fall eines Reifenplatzer“, weiß Ralf Peter Wehr von der DEKRA Neubrandenburg. Die nicht gerade harmlose Panne kann verschiedene Ursachen haben, weiß der Experte. Heftiges Auffahren auf Bordsteinkannten, überalterte Reifen oder auch eine zu geringe Profiltiefe der Pneus könne zur Knallpanne führen. „Zum anderen kann auch eine zu hohe Belastung für das Fahrzeug der Auslöser eines Reifenplatzers sein“, betont der Fachabteilungsleiter Gutachten. Das Auto sollte deshalb niemals überladen werden, denn die Kombination aus Überlastung, geringem Luftdruck, hoher Geschwindigkeit und Temperaturen sind äußerst schädlich für Reifen. „Deswegen den Reifendruck immer an die Beladung anpassen“, empfiehlt der Fachmann. Zu niedriger Luftdruck führt dazu, dass sich der Reifen während der Fahrt übermäßig erhitzt und sich die Reifenteile voneinander lösen können, während Verschleiß und Kraftstoffverbrauch zunehmen.
„Der Luftdruck sollte alle 14 Tage am kalten Reifen überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden“, so der DEKRA-Mitarbeiter. Die Angaben zum Reifendruck finden sich meistens in der Bedienungsanleitung, an der Tankklappe oder im Fahrer-Einstiegsbereich. Da mit der Zeit Luft durch den Reifengummi diffundieren kann, aber auch durch das Ventil oder an anderen Stellen zwischen Felge und Reifen unbemerkt entschwindet, ist eine regelmäßige Kontrolle an kalten Pneus wichtig für die Fahrsicherheit und ihre Lebensdauer. Daraus folgt, dass der Mindestluftdruck im Grunde keine gute Wahl ist, sondern sich ein bisschen Druck von 0,2 bis 0,3 Bar mehr als ratsam erweist. Das spart auch etwas Kraftstoff. Zu wenig Luftdruck sorgt nicht nur für einen höheren Rollwiderstand.Essteigt die Gefahr von Reifenplatzern, da die Reifen mehr Walkarbeit verrichten und sich dabei erhitzen.

Im Sommer Gefahr von Hitzestau im Gummi

Im Sommer führt das bei schneller Fahrt mit dem beladenen Auto zu einem Hitzestau im Gummi, was zum Platzen führen kann. „Für den Autofahrer heißt es bei einem Reifenplatzer vor allem: Ruhe bewahren, Lenkrad festhalten und versuchen, das Fahrzeug kontrolliert am Fahrbahnrand zum Stillstand zu bringen“, rät Ralf Peter Wehr. In der Regel passiert beim front- wie heckgetriebenen Fahrzeug nicht viel, wenn ein Reifen platzt.
Das Fahrzeug zieht zwar auf die Seite, an der ein Reifen defekt ist. Und da heißt es: Gegenlenken und langsamer werdend an den Straßenrand fahren. Für die Urlaubsreise im Sommer empfiehlt es sich daher: ein Aufpumpen bis zum Maximalluftdruck. Das ist auch im Alltag keine schlechte Wahl, wenn die Fahrleistungen nicht völlig ausgereizt werden. Zwar geht etwas Komfort verloren, aber angebliche Nachteile wie ein ungleichmäßiger Verschleiß gehören bei aktuellen Reifen mit flacher Kontur dagegen ins Reich der Fabeln.
„Mit 0,2 bar unter dem Maximalfülldruck bleiben auch die Fahreigenschaften untadelig, und wenn die Reifen dann etwas Luft verlieren, haben sie immer noch mehr als den Mindestfülldruck“, weiß Ralf Peter Wehr. Ein Austausch der Reifen ist spätestens nach sechs bis zehn Jahren angesagt, unabhängig von der noch vorhandenen Restprofiltiefe. Kritisch ist auf jeden Fall eine Profiltiefe von drei Millimetern und weniger, auch wenn der Gesetzgeber 1,6 Millimeter erlaubt: Das Risiko von Aquaplaning steigt mit dem Abnehmen der Profiltiefe erheblich und die Bremsleistung auf nassen Fahrbahnen sinkt.
 

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