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„Wir haben alles außer Sandstrand“

[INTERVIEW][KT_BU]Viele Urlauber fahren nur an ihr vorbei, dabei bietet die Insel Ummanz, Rügens „stille Schwester“, ihren Besuchern Erholung fernab von ausgetretenen Touristenpfaden im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.[/INTERVIEW]  FOTOs (2) : Thomasz Jüngst
[INTERVIEW][KT_BU]Viele Urlauber fahren nur an ihr vorbei, dabei bietet die Insel Ummanz, Rügens „stille Schwester“, ihren Besuchern Erholung fernab von ausgetretenen Touristenpfaden im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.[/INTERVIEW] FOTOs (2) : Thomasz Jüngst

Auf Ummanz gibt es keinen Sandstrand, in Rostock liegt Ihnen das Meer vor den Füßen. Was führt Sie immer wieder zurück auf die Insel?
Das stimmt, wir haben keinen richtigen Strand und das Ostseebad in Warnemünde gibt definitiv mehr her für einen Badetag. Es gibt aber zwei Gründe, warum ich immer wieder nach Ummanz zurück muss: die Weite und die dünne Besiedlung.

Ist das nicht für viele junge Menschen eher ein Grund, dorthin zu gehen, wo das Leben pulsiert?
Auf Ummanz geht alles ein bisschen langsamer voran als woanders und das ist auch gut so. Ich liebe die Abgeschiedenheit und die ursprüngliche Natur. Zurzeit brüten schätzungsweise drei Seeadler-Pärchen im Nationalpark, es wimmelt nur so vor Raubvögeln. In den lauen Nächten bekommt man einmalige Froschkonzerte geboten, da herrscht voll das Leben. Und nichts geht über unsere Sonnenuntergänge.

Weite und Abgeschiedenheit ist zwar kurzfristig sehr schön, aber was hat die Insel noch zu bieten?
Ummanz ist ein Paradies für Angelfreunde, ebenso wie für Pferdenarren. Man kann dort super Windsurfen, Paddeln, Segeln, Kiten. Es gibt tolle Wege für Fahrradtouren und Wanderungen. Ummanz ist der perfekte Ort für alle, die das Leben jenseits von Hektik und Lärm genießen wollen und gern an der frischen Luft sind.

Was würden Sie mit Besuchern unternehmen, die für ein verlängertes Wochenende auf die Insel kommen?
Bei schönem Wetter würde ich mit einem langen Deichspaziergang nach Freesenort anfangen. In dem alten Fischerdorf stehen noch Fischerkaten im Originalzustand aus dem 17. Jahrhundert. Es gibt keine Autos und keine Zäune, die Welt dort steht still. Für einen Tagesausflug empfiehlt sich ein Segeltörn nach Hiddensee. Die Insel liegt nur fünf Kilometer entfernt, man kann sie über den Bodden sehen.

Und wenn ich keinen Segelschein besitze?
Dann kann man sich auch über die Surfschule „Windsurfing Rügen“ Kanus ausleihen. Auf Hiddensee angekommen, würde ich meinen Besuch zu den ruhigen Ecken der Insel führen. An den tollen Stränden kann man wunderbar Baden gehen. Und wer noch ein bisschen Kultur erleben möchte, sollte einen Abstecher zum Gerhart-Hauptmann-Haus machen. Wer sich für die artenreiche Vogelvielfalt von Ummanz interessiert, den würde ich auf eine Fahrradtour durch den Wokenitzer Busch nach Tankow mitnehmen. Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick über Udarßer Wiek, einen großen Vogelrastplatz mit einer Hütte und Aussichtsplattform – dort lässt es sich super entspannen.

Und wo kommen Surfer auf ihre Kosten?
Ich habe schon viele Surfspots auf dieser Welt gesehen, aber unser Stehrevier ist nicht nur das größte Deutschlands, es hat auch Weltklassequalität. Für Windsurfer und Kiter ideal. Der Wind ist gleichmäßig und die Wasseroberfläche sehr glatt, da kann man in aller Ruhe an seinen Surffertigkeiten feilen. Wem das an körperlichem Einsatz noch nicht reicht, der kann sich auch 30 Kilometer südlich auf der Insel Rügen im Waldseilpark in Altefähr austoben.

Welche Schlechtwetteralternativen bietet die Insel?
Man kann zum Beispiel der Töpferin Susan Schmorell einen Besuch in ihrem Atelier in Wusse abstatten. Ihre Motive sind sehr landestypisch, ich sammle ihre Stücke. Für Familien mit Kindern lohnt sich ein Ausflug zum Erlebnisbauernhof Kliewe in Mursewiek oder Bauer Lange. Die Erlebnisscheunen bieten viele tierische Attraktionen. Man kann aber auch wunderbar in meinem Zirkus-Bauwagen entspannen. Er ist mein persönlicher Traum von einem Zufluchtsort und ich vermiete ihn gelegentlich. Meine Freundin Lena und ich haben vor zwei Jahren begonnen, ihn eigenständig auszubauen und zu renovieren. Wann immer es geht, verbringe ich meine Zeit dort.

Wie steht es mit dem kulinarischen Angebot in der Abgeschiedenheit?
Auch da bietet die Insel eine bescheidene, aber gute Auswahl an Möglichkeiten. In Waase direkt an der Brücke zwischen Ummanz und Rügen gibt es eine Fischgaststätte, von der aus man einen malerischen Ausblick auf das Wasser genießen kann. Gleich nebenan, in der alten Pfarrscheune befindet sich die Rügener-Kaffee-Rösterei, Konditorei und einer Schokoladenmanufaktur. Dort bekommt man den originalen Ostsee-Kaffee. Im Surfhostel „Windsurfing Rügen“ in Suhrendorf gibt es die leckerste Pizza der Insel, außerdem finden dort regelmäßig Kinoabende und Konzerte statt. Die Stimmung dort ist immer sehr ausgelassen und entspannt, ich habe schon viele tolle Abende dort erlebt. Immer wenn ich ein paar Tage auf Ummanz war, fühle ich mich wieder richtig aufgetankt und bereit für die Welt da draußen.

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