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Das richtige Weinglas ist eine Frage des langen Stiels

FOTO: Riedel
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VonMarcus Woeller

Im Urlaub schmeckt der Wein auch aus dem Wasser-
glas. Zu Hause trinkt der Genießer aber gern aus Kristall. Ist das notwendig? Nein, sagen Wein-Experten.

Mainz/Berlin.Das Wissen um den Wein wächst schnell. Heute ist nicht rot oder weiß die Frage, sondern mineralisch oder fruchtbetont. Doch für den Genuss ist nicht nur entscheidend, was da in Fass und Flasche heranreift. Wichtig ist auch, in welchem Glas der Wein serviert wird. „Ohne das richtige Glas bleibt ein wichtiger Teil der Aromenfülle eines Weines unentdeckt oder geht auf der Strecke zwischen Glas und Nase verloren“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. „Es ist Aufgabe des Glases, dem Wein seine volle Entfaltung zu ermöglichen und seine Aromen in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Das Weintrinken ist nämlich vor allem auch ein Akt des Riechens. Deshalb erfüllt ein gutes Glas den Zweck, die Aromen des Weins zu bündeln und als olfaktorischen Reiz ans Gehirn zu übermitteln.
„Es ist sehr wichtig, dass sich ein Weinglas nach oben hin verjüngt und genug Volumen hat, so dass sich das Aroma des Weins an der Luft entfalten kann“, erklärt Julia Gold, Sommelière in der Weinhandlung Paasburg‘s in Berlin. „Wichtig ist auch, dass das Glas über eine gewisse Stiellänge verfügt. Erstens, damit sich nicht Gerüche von der Haut mit in das Aroma des Weins mischen, und zweitens, damit man das Glas auch bequem am Stiel halten kann und nicht am Kelch anfassen muss.“ Generell gelten vier Kriterien für ein gutes Weinglas: Sauber, dünnwandig, langstielig und glasklar sollte es sein. Die Weinexperten gestehen einem filigranen Glas einen objektiv besseren Trinkgenuss zu, erläutert Büscher. „Der Kontakt zum Wein erfolgt unmittelbarer. Denn man spitzt beim Trinken aus einem dünnwandigen Glas die Lippen.“ Auch die Temperatur werde vom dünnen Glas weniger beeinflusst. Hersteller hochwertiger Kristallgläser bieten häufig unzählige Weingläser an. Für den Hausgebrauch sei aber ein Satz mittelgroßer Rotwein- und Weißweingläser ausreichend, sagt Weinexperte Büscher. Als Universalglas empfiehlt er ein eiförmiges Glas.
Aber schmeckt der Wein besser aus guten Gläsern? Die Berliner Gastronomin Ortrud Hücherig nennt den springenden Punkt: „Guter Wein: ja. Schlechter Wein: sicherlich nicht.“

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